Der Kommentar: Wir schreiben das Jahr 2016. Grossartige Innovationen erleichtern uns das Leben und der digitale Fortschritt scheint jedes Problem lösbar zu machen. Mit der Hilfe von Robotern können Menschen ohne Beine wieder gehen lernen. Dank erneuerbarer Energie könnte bereits heute die ganze Welt umweltfreundlich mit Strom versorgt werden. Staunend beobachten wir Autos, die ohne Fahrer unterwegs sind.

Wir schreiben das Jahr 2016. Freundinnen berichten, dass sie Angst haben, den dunklen Heimweg alleine zu gehen. Dass sie im Sommer ungern im Rock Velo fahren. Dass ihnen die Pfiffe von Strassenarbeitern unangenehm sind. Dass sie sogar einmal von ihren Pfeffersprays Gebrauch machen mussten. Dass sie ihre Getränke in einer Bar niemals unbeaufsichtigt stehen lassen. Dass sie nicht ungeschminkt zur Arbeit können, ohne faule Sprüche zu hören. Dass sie extra hochgeschlossene Pullover anziehen. Dass Männer in der Sauna frivol gucken. Dass sie im Tram lieber stehen, wegen des aufdringlichen Sitznachbars. Dass sie weniger verdienen als ihre Kollegen im Büro.

Wir schreiben das Jahr 2016 und es ist einem zutiefst sexistischen Mann möglich, reale Chancen zu haben, der nächste Amerikanische Präsident zu werden. Es ist ihm sogar möglich, mit seiner Frauenverachtung zu prahlen und bei anderen alten Herren dafür Schenkelklopfer zu ernten.

Zu Recht fährt Michelle Obama gegen Donald Trump schweres Geschütz auf. Denn obwohl es das Jahr 2016 ist, sind wir keinen Schritt weitergekommen.

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