Der Kommentar: Die Wiederwahl von Barack Obama war für die meisten Europäer eine Erlösung. Die Angst vor einem konservativen Präsidenten Romney war gross, das Trauma der Bush-Jahre noch viel zu präsent.

Aber nicht nur wegen Obamas Sieg konnte man meinen, dass die USA diese Woche einen regelrechten Linksrutsch vollzogen haben: In Wisconsin wurde erstmals eine bekennende Lesbe in den Senat gewählt. In Colorado und Washington wurde der Marihuana-Konsum legalisiert. Und in Maryland, Maine und Washington sagte das Volk Ja zur Homo-Ehe. Die Welt bekam das weltoffene, liberale und fortschrittliche Amerika zu sehen. Das Amerika, das sich viele Menschen wünschen.

Doch die Woche war noch nicht vorbei. Am Freitag gab der hoch dekorierte David Petraeus seinen Rücktritt bekannt. Nicht wegen der fehlerhaften Kommunikation nach dem Anschlag auf die US-Botschaft in Bengasi. Der Ex-General hatte auch keine Drogen konsumiert, Geld gestohlen oder den Präsidenten hintergangen. Petraeus schlief nicht im Bett des Feindes, sondern im Bett einer anderen Frau! Und das nach über 37 Ehe-Jahren. Skandal!

Und da waren sie wieder, die alten USA. Das Land der Doppelmoral, das sowohl die weltgrösste Pornoindustrie als auch den evangelikalen Fanatismus beherbergt. Es sind die USA von Eliot Spitzer, Monica Lewinsky und Nipplegate.

Während in Europa Politiker auch nach Zimmermädchen-Attacken und Bunga-Bunga-Partys im Amt bleiben, reicht in den USA noch heute ein aussereheliches Techtelmechtel zum politischen Suizid. Manche Dinge ändern sich halt nie.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper!