Der Kommentar: Anfang 2015 titelte die «Schweiz am Sonntag»: «Sie wollen Zürich zur digitalen Hauptstadt Europas machen.» Die Rede war von Marc Walder, CEO Ringier, und dem sich damals noch formenden Komitee rund um «DigitalZurich2025», heute bekannt als die nationale Standortinitiative digitalswitzerland. Um den Worten Taten folgen zu lassen, kündigten die Mitglieder aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft bei Vereinsgründung fünf Hauptinitiativen an, namentlich der Kickstart Accelerator, der Investor Summit, eine Präsenz an der CeBIT, das WorldWebForum und die Webplattform EducationDigital.ch. Um es vorwegzunehmen, wir haben alle Hauptinitiativen 2016 erfolgreich durchgeführt, die Mitgliederanzahl verdoppelt und internationale Visibilität für unsere Standortinitiative in der Weltpresse erzielt.

Trotz diesen Fortschritten assoziiert man die Schweiz im Ausland vorwiegend mit Banken, Uhren, Käse und Schokolade. Weniger aber mit digitalen Innovationen. Wir haben kein Facebook, Uber oder Airbnb hervorgebracht. Viele unserer Industrien sind nicht zukunftssicher. Welchen Weg müssen wir also gehen, damit wir uns einen zukunftsfähigen Platz in der Wertschöpfungskette der Weltwirtschaft sichern? Ich sehe fünf Wegweiser für 2017.

Der erste Wegweiser handelt von einem umfassenden, nationalen Dialog rund um die Themen Innovation, Digitalisierung und Startups. Ein erster Schritt wird die Lancierung des digitalen Manifests am WorldWebForum sein. Danach sind Medienmacher, Verbände, und Eventveranstalter am Zug: Sie sollten die Themen der Digitalisierung für die breite Öffentlichkeit fassbarer machen. Ich habe vier der letzten acht Jahre in New York und Kalifornien verbracht, weitere vier in Zürich, und kann aus erster Hand bestätigen, dass sich die Schweiz als Innovationshub nicht verstecken muss. Wir verkaufen uns bloss vergleichsweise schlecht. Das führt dazu, dass selbst der Schweizer Durchschnittsbürger kaum mitbekommt, dass er sich täglich mitten im Epizentrum der Innovation aufhält. Dies sollten wir 2017 ändern.

Der zweite Wegweiser: Stärkung der Bildung und Forschung im Bereich der Digitalisierung. Es reicht nicht, uns der digitalen Themen nur bewusst zu sein, wir müssen auch alle, vom Erstklässler bis hin zum Berufstätigen, darin aus- und weiterbilden und den Ambitioniertesten die Möglichkeit geben, an vorderster Front daran weiterzuforschen. So forderte Ständerat Ruedi Noser vor wenigen Wochen ein ETH-Institut für die digitale Transformation. Wird dieses umgesetzt, wäre ein grosser Schritt in eine erfolgreiche digitale Zukunft vollzogen.

Der dritte Wegweiser: Investieren Sie in das nächste Facebook – Made in Switzerland. Zahlreiche innovative Schweizer Jungunternehmen sind qualitativ genauso gut, wenn nicht besser, wie jene aus dem Silicon Valley. Damit in Zukunft nicht nur amerikanische Jungunternehmen als disruptive digitale Weltbrands bekannt sind, brauchen hiesige Startups bessere Möglichkeiten, um innert nützlicher Frist Wachstumsfinanzierungen in der Schweiz aufzutreiben, damit sie nicht nach der Seed-Finanzierung ins Ausland abwandern. Wie bereits von Doktor Henri B. Meier vorgeschlagen, braucht es einen Fonds von mehreren hundert Millionen Franken, getragen von Pensionskassen und Akteuren aus der Privatwirtschaft, der in Startups investiert, welche die brennende Ambition hegen, weltweit zu skalieren. Nur so hat die Schweiz eine Chance, das nächste Facebook auf Schweizer Boden heranzuziehen.

Der vierte Wegweiser betrifft die Politik und den öffentlichen Sektor. Es muss gelingen, die Mehrheit der Politiker zu überzeugen, dass die Arbeitsplätze und somit die wirtschaftliche Zukunft unseres Landes massgeblich von Innovation, Digitalisierung und erfolgreichen Startups abhängt.

Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar, sagte einst der Kleine Prinz von Antoine de Saint-Exupéry. Und so verhält es sich auch mit dem fünften und wichtigsten Wegweiser. Ein erfolgreicher digitaler Wandel bedingt auch einen kulturellen Wandel. Damit wir uns nachhaltig einen zukunftsfähigen Platz in der Wertschöpfungskette der Weltwirtschaft sichern, ist unabdingbar, dass jeder Einzelne in der Schweiz die Digitalisierung primär als Chance sieht, wo man, statt in Gärtchen zu denken, zusammenarbeitet, wo wir die Angst vor dem Scheitern niederlegen, wo wir neue Ideen für Geschäftsmodelle laufend ausprobieren, und wo wir, ohne uns an unnötige perfektionistische Details zu klammern, auch einfach mal machen und vorangehen. Der Weg entsteht, wenn man ihn geht. Und entsteht vor allem dann, wenn wir ihn 2017 mit Offenheit, Vertrauen, Ideenreichtum und Tatendrang zusammen gehen.

Zur Autorin: Sunnie J. Groeneveld hat die Standortinitiative digitalswitzerland aufgebaut und bis November auch geleitet. Sie ist Inhaberin der Beratungsfirma Inspire 925.

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