Oswald Grübels Abgang ist bitter. Er stolpert über einen 31-jährigen Schnösel in der Londoner Delta-1-Abteilung, der sich gewaltig verspekuliert hat. Dieser 2-Milliarden-Skandal wog am Ende mehr als die schon fast herkulische Leistung von Grübel in den vergangenen zweieinhalb Jahren: Er reanimierte die Anfang 2009 todkranke UBS, sanierte sie und führte sie in die Gewinnzone zurück. Dies nach summierten Verlusten von sagenhaften 50 Milliarden Franken.

Grübels Abgang ist aber auch stark. Wir haben bei der UBS erlebt, wie sich Chefs an ihre Sessel klammerten, bis es nicht mehr anders ging. Unvergessen bleibt Marcel Ospels Aussage, er sei «Teil der Lösung» – zu einem Zeitpunkt, als das historische Subprime-Debakel bereits gewaltige Ausmasse angenommen hatte. Grübel zog die Konsequenzen innerhalb von nur gerade zehn Tagen.

Das Banker-Urgestein mag keine halbe Sachen, das merkt man schon an seiner glasklaren Sprache. Er blieb sich treu – auch im schwersten Moment seiner Karriere.

Offiziell war sein Rücktritt freiwillig, offiziell hat ihn der Verwaltungsrat aufgefordert, zumindest noch bis zur nächsten Generalversammlung im Amt zu bleiben. «Der Verwaltungsrat bedauert die Entscheidung von Oswald Grübel zutiefst», liess sich VR-Präsident Kaspar Villiger gestern zitieren. Die schon fast rührenden Beteuerungen sind mit Vorsicht zu geniessen.

Denn der CEO hätte gern weitergemacht – das 2-Milliarden-Debakel allein war für ihn kein ausreichender Rücktrittsgrund. Noch vor einer Woche sagte Grübel dem «Sonntag», er denke nicht an Rücktritt, denn er fühle sich zwar «verantwortlich, aber nicht schuldig». Er betonte allerdings, massgebend sei der Verwaltungsrat. Dieser Verwaltungsrat verweigerte ihm die Unterstützung in dem Ausmass, wie sie sich Grübel gewünscht hatte – offenbar vor allem in der Frage um die Strategie im Investmentbanking. Hier wollte Grübel weiterhin Vollgas geben, der Verwaltungsrat trat auf die Bremse. Erst das bedeutete für den CEO, jetzt die Konsequenzen zu ziehen.

Diese Entschlossenheit lässt der Verwaltungsrat vermissen. Nur schwammig umschrieb er gestern, wie es im Investmentbanking weitergehen soll (er möchte «die Implementierung einer kundenfokussierten Strategie der Investment Bank beschleunigt vorantreiben»). Zögerlich ist auch die Personalpolitik: Sergio Ermotti wurde bloss zum interimistischen CEO ernannt. Man lässt ihn und die Aktionäre im Ungewissen, wie lange es geht, bis Grübels Nachfolge definitiv geregelt ist. Kaspar Villiger sagte gestern auf Schweizer Radio DRS, es könne «drei, vier Monate» dauern, «aber auch etwas länger». Es würden «auch andere Varianten» geprüft.

Warum hat man Ermotti nicht gleich definitiv zum Chef gemacht? Gemäss Villiger lief doch die Nachfolgeplanung für den 67-jährigen Grübel seit längerem. Das alles widerspiegelt die Orientierungslosigkeit des obersten UBSFührungsorgans.

Oswald Grübel darf jetzt den Herbst geniessen. Bis bei der UBS der Frühling kommt, kann es noch lange dauern.

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