Der Kommentar: Das Billett auf Lebenszeit soll es nicht mehr geben. Stattdessen muss man ab 50 alle zehn Jahre einen Sehtest absolvieren, und ab 70 soll der Fahrausweis nur zwei Jahre gültig sein – ohne Fahrtauglichkeitsprüfung und Ärzte-Attest ist das Billett weg. So will es das Bundesamt für Strassen.

Das klingt streng. Gerade ältere Menschen erleben einen Fahrausweis-Entzug oft als einschneidend. Da ist zum einen der Mobilitätsverlust, der Ängste auslöst. Zum anderen kann das Gefühl aufkommen: «Als Nächstes steckt man mich in ein Heim.» Es ist das Gefühl, nicht mehr richtig dazuzugehören. Daher ist es nachvollziehbar, wenn sich Senioren gegen einen Fahrausweis-Entzug wehren.

Das Bedürfnis, auch im Alter mobil zu sein, ist legitim – man muss sich aber bewusst sein: Es geht um Menschenleben. Manche Senioren geben ihren Fahrausweis zwar freiwillig ab, wenn sie merken, dass sie im Verkehr überfordert sind. Doch es gibt auch die schwarzen Schafe, die ärztliche Kontrolluntersuchungen monatelang verzögern oder so lange den Arzt wechseln, bis sie ein Gefälligkeitsgutachten ergattern, das ihnen Fahrtüchtigkeit bescheinigt. Wiederholt haben gerade uneinsichtige Senioren-Lenker Unfälle verursacht, die anderen Menschen das Leben kosteten.

Das will der Bund verhindern – mit zeitlich befristeten Fahrausweisen, höheren Qualitätsstandards bei medizinischen Kontrollen und einer Zulassungspflicht für die untersuchenden Ärzte. Diese Massnahmen sind nötig und richtig. Die heutigen Sicherheitslücken müssen geschlossen werden. Auch wenn der Verlust des Billetts schmerzt: Ein Fahrausweis kann nicht mehr wert sein als ein Menschenleben.