Der Kommentar: Ja, wir wurden verwöhnt. Jahrzehntelang bedeutete Veränderung bei den SBB eine Veränderung zum Bessern. Die grünen und roten Plastik-Sitze, auf denen wir noch ins Skilager fuhren, verschwanden. Die Züge bekamen Klimaanlagen, der Fahrplan wurde dichter und so regelmässig, dass man ihn bald auswendig kannte. Und aus einst trostlosen Bahnhöfen wurden praktische Ladenpassagen. Zumindest an grossen Orten.

Doch jetzt ist etwas passiert. Plötzlich ist «Stellwerkstörung» Wort des Jahres 2013 und das Nörgeln über die SBB salonfähig. Und das hat seine Gründe: Speisewagen wurden geschlossen und Minibars tauchen immer seltener auf. Fahrgäste sitzen in überfüllten Zügen am Boden oder staunen über eigenartige Verspätungsgründe. Gerade im letzten Jahr häuften sich Pannen und Unfälle. Und dies alles bei steigenden Preisen, obwohl die SBB ihre Kosten auf immer mehr Fahrgäste verteilen können.

Woran kranken die SBB? Wurden sie überrascht von der stark steigenden Nachfrage der letzten Jahre? Wurden die falschen Züge beschafft? Ist es die Geschäftsführung, die zwar Ideen anreisst, diese aber nicht umzusetzen vermag?

Dass die SBB nun für die S-Bahn beschaffte Züge auch auf langen Strecken einsetzen, ist entweder bewusst rufschädigend oder das Ergebnis eines Planungsfehlers. Denn für die Fahrgäste bedeutet dies einen Komfortabbau. Wo Kunden von alten, aber ruhig laufenden Waggons auf vibrierende Triebwagen umsteigen, wo 1.-Klasse-Passagiere plötzlich den Unterschied zur 2. Klasse nicht mehr erkennen, entsteht sicher keine Kundenzufriedenheit.

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