Was sagt uns das? Zweierlei:
Die erste Feststellungist ebenso einfach wie für viele unbequem. Christoph Blocher ist nach wie vor der einflussreichste Schweizer Politiker. Nach seiner Abwahl aus dem Bundesrat 2007 wurde er totgesagt. Aber nur er schafft es, eine ganze Stadt, immerhin die zweitgrösste des Landes, in Aufruhr zu versetzen, und die ganze Schweizer Medienszene mit dazu. Dass Blocher nun aus Basel vertrieben wurde, ist jedoch nur eine ScheinNiederlage für ihn. Denn Moritz Suter, der neue Eigentümer der «Basler Zeitung» (BaZ), setzt den Kurs fort, den Tito Tettamanti und Blocher eingeschlagen haben. Ihre Machtnetze überschneiden sich, und sie denken ähnlich. Der für Basel entscheidende Unterschied: Moritz Suter spricht Baseldeutsch.

Die zweite Feststellung: Die Kraft der Zeitung – einer Mediengattung, die sich selber gern an Untergangsszenarien berauscht – ist ungebrochen. Die Zeitung lebt. Das zeigen die Energien, die der B&B-Cocktail freigesetzt hat: Politiker gerieten in Alarmstimmung, mehr als 18000 Bürger unterzeichneten einen Aufruf «Rettet Basel!». Sogar der Medienprofi Tettamanti hat diese Kraft unterschätzt: Er sei «zum Verkauf gezwungen worden», räumte er gestern in Interviews mit den beiden grossen Zürcher Tageszeitungen ein.

Der Medienredaktor der «NZZ», Rainer Stadler, hat recht, wenn er schreibt: «Von der Aufmerksamkeit, wie sie die ‹BaZ› zurzeit erhält, können Websites nur träumen.» Die Zeitungen haben durch die Online-Revolution kommerziell an Bedeutung verloren, nicht aber publizistisch und politisch. Ihre Funktion für die Meinungsbildung in ihrer Region – und für deren Identität – bleibt zentral. Die vergangenen Tage haben gezeigt, wie wichtig den Lesern ihre Zeitung ist, und sie haben gezeigt, dass es immer noch Unternehmer gibt, die an das Geschäftsmodell Zeitung glauben. Solange beides so bleibt, bleibt auch die Medienvielfalt, die zurzeit viele Politiker bedroht sehen.

Nebst Lesern und Unternehmern braucht es dazu aber auch gute Journalistinnen und Journalisten. Hier hatte ich diese Woche ein persönliches Erlebnis, das dem allgemeinen Kulturpessimismus zuwiderläuft. Die Redaktion der Studentenzeitschrift «prisma», die an der Universität St. Gallen erscheint, lud mich zu einer Blattkritik ein. Ich hatte in den Neunzigerjahren selber für dieses Heft geschrieben und stellte fest: Es ist heute viel besser und leidenschaftlicher gemacht als damals. Und der Journalismus ist mutiger. Der 22-jährige Chefredaktor empfahl sogar die SP-Steuerinitiative zur Annahme – so was hätten wir an dieser wirtschaftsliberalen Schule damals nicht gewagt.