«Abzocker» einen «gebührenden Empfang» bereiten, wurde der Anlass vertagt. Aus Sicherheitsgründen, wie es hiess.

Bankern in London riet die Polizei, während des G-20-Gipfels in Jeans getarnt statt im Anzug zur Arbeit zu gehen – sonst könnten sie angegriffen werden. In den USA zogen wütende Demonstranten vor die Villen der AIG-Manager, die sich ihre Boni mit staatlichen Hilfsgeldern finanziert hatten.

Der Volkszorn auf die Manager wächst. Ex-UBS-Präsident Marcel Ospel fühlt sich nicht mal mehr in der Zürcher «Kronenhalle» sicher: Nachdem es beinahe zu Hand-greiflichkeiten gekommen ist, meidet er sein einstiges Lieblingslokal.

Viele Menschen haben den Eindruck: Wir zahlen nun die Schulden der Bosse – mit unserem Steuergeld oder gar mit unserem Arbeitsplatz. Und die Versager kriegen noch eine Abgangs-entschädigung. Die «Süddeutsche Zeitung» schrieb gestern: «Die Welt steht vor einer Wutprobe. Eine soziale Krise ist nicht ausgeschlossen.»

Drohungen und Gewalt sind nie zu rechtfertigen. Weder gegen die wahren Versager noch gegen vermeintliche (Daniel Vasella hat nie Steuergeld bezogen). Der Volkszorn ist aber ein Signal: Der soziale Frieden steht auf dem Spiel.

Politik und Wirtschaft müssen alles tun, um eine Spaltung
der Gesellschaft zu verhindern. Der soziale Frieden ist für die Schweiz ein wichtiger Standortvorteil – wichtiger als das
Bankgeheimnis. Es braucht jetzt auch von den Managern Signale: Die Zeit der Exzesse ist vorbei.

Bis jetzt hörte man vor allem Lippenbekenntnisse. In vielen Konzernen wurden die Löhne für Verwaltungsräte angehoben, obwohl die Gewinne einbrechen. Das versteht keiner.

Dass es auch anders geht, haben diese Woche die SBB vorgemacht: Ihr Chef Andreas Meyer bekommt weniger Bonus – obwohl die Bahn ihren Gewinn sogar steigerte.