15 Jahre ist es her, seit der Stolz der Nation auf dem Boden blieb. Kein anderes nationales Wirtschaftsereignis – auch nicht der Beinahe-Kollaps der UBS – weckt derart starke Emotionen in der Bevölkerung. Die Swissair war unsere Airline und international angesehen. Sie verkörperte Schweizer Zuverlässigkeit und Perfektion.

Kein Wunder, freut es uns, wenn an ausländischen Flughäfen noch heute die Swissair statt die Swiss ausgerufen wird. Die Identifikation mit der Nachfolge-Airline ist zwar vorhanden, doch in keinem Mass vergleichbar mit der untergegangenen Swissair. Und das, obwohl die Swiss seit Jahren stolze Resultate vorweist und inzwischen mehr Menschen bewegt als ihre Vorgängerin.

Ob am Heckflügel ein Kreuz aufgemalt ist oder nicht, spielt heute eine kleinere Rolle. Entscheidend ist oft der Preis. Als die Swiss vor zwei Jahren bekannt gab, sich aus Basel zurückzuziehen, blieb der grosse Aufschrei aus. Auch in Genf würden der Swiss nur wenige eine Träne nachweinen, wenn sie ihre Offensive in der Calvin-Stadt abblasen würde. Die Billigairline Easyjet ist in beiden Städten schon vor Jahren in die Bresche gesprungen.

Dass die Wehmut trotzdem nicht verschwunden ist und der Mythos Swissair weiterlebt, hat mit der Frage zu tun: Was wäre, wenn? Was wäre, wenn die Banken, der Bund und das Swissair-Management schneller reagiert hätten? Wenn das Grounding vermieden worden wäre?

Wäre die Swissair heute allein so erfolgreich wie die Swiss? Kaum. Erst die Skaleneffekte und die Netzwerkgrösse der Lufthansa brachten die Airline auf Kurs. Aber vielleicht hätte sie – im Best-Case-Szenario – eigenständig bleiben können und, statt verkauft zu werden, in eine gleichwertige Partnerschaft treten können, in der die Entscheide nach wie vor in Zürich Kloten gefällt würden und nicht in Frankfurt. Heute urteilt die deutsche Lufthansa über die interkontinentale Anbindung des Binnenlandes Schweiz.

Und so bleibt nebst der Nostalgie, nebst der Wehmut auch ein gewisses Unbehagen.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper.