Der Kommentar: Es gibt einen Apple-Werbespot von Ende 1983, der zur Legende wurde. Der Film zeigt einen dunklen Saal, in dem einheitlich gekleidete Menschen brav einer Rede folgen. Vom Bildschirm herab doziert ein Mann: «Wir haben einen Garten reiner Ideologie geschaffen, in dem jeder Arbeiter aufblühen kann, sicher vor Schädlingen. Wir sind EIN Volk, mit EINEM Willen, EINER Entschlossenheit, EINER Sache. Wir werden siegen!»»

Da taucht eine junge Frau in einer orangen Turnhose auf, in den Händen einen grossen Hammer. Sie rennt, verfolgt von bösen Polizisten, auf die Bühne zu und schleudert den Hammer mit aller Kraft in Richtung des Bildschirms. Ein Knall, Rauch. Licht. «1984 werden Sie sehen, weshalb 1984 nicht 1984 sein wird», erzählt ein Sprecher. Seine Botschaft: Der neue Macintosh-Computer von Apple befreie die Masse aus der Einheitswelt und entlaste sie vom Joch des «big brother» aus George Orwells Roman «1984», der damals für die dominante IBM stand.

Inzwischen sind genau 30 Jahre vergangen, und die Rollen haben sich vertauscht. Aus der aufmüpfigen Saboteurin ist selber eine Überwacherin geworden, aus dem Produkt für alternative Hacker eine Glaubenswelt für konforme Konsumenten. Apple hat überall seine Finger drin und beeinflusst ganze Branchen. Es vertreibt Musik, kontrolliert Online-Angebote von Zeitungen, strahlt Fernsehen aus und bestimmt nun auch, welche Kreditkarten wir nutzen. Apple kontrolliert die Technologie und wehrt «Schädlinge» ab. Der Konzern mag exklusive Partnerschaften, Vielfalt ist nicht seine Sache.

Und so bleibt eigentlich nur eine Frage: Wo ist die nächste Frau mit dem grossen Hammer?

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