Der Kommentar: Es war der Nationalbank-Präsident selbst, der die schärfste Waffe ins Spiel brachte: Vor gut einem Monat dachte Thomas Jordan laut über Kapitalverkehrskontrollen nach, um den Druck auf den Schweizer Franken zu brechen. Eine Abschottung unseres Kapitalmarkts – es wäre das allerletzte Mittel einer eigenständigen Geldpolitik.

Den Euro-Krisenstaaten geht es seither noch schlechter, einzig ein Kollaps von Griechenland scheint vorerst abgewendet. Ökonomen schätzen, dass bei einer Kursfreigabe der Euro unter 1 Franken stürzen würde. Um die 1.20 zu halten, warf die Nationalbank im Mai über 68 Milliarden Franken auf, im Juni 59 Milliarden – und nun, Anfang Juli, dürfte es noch teurer geworden sein, denn durch die Zinssenkung in der Euro-Zone wurde der Franken für europäische Anleger nochmals attraktiver.

Dennoch bleibt innenpolitisch alles ruhig, fast gespenstisch ruhig. Keiner spricht mehr von Kapitalverkehrskontrollen oder Negativzinsen. Woher rührt die neue Gelassenheit? Unter Ökonomen und Wirtschaftsjournalisten ist es zum Mainstream geworden, die Nationalbank-Reserven als unbedenklich anzusehen. Die SNB kann ja Geld drucken so viel sie will und damit Euro kaufen bis zum Abwinken, wird gebetsmühlenhaft wiederholt. Denn die Teuerungsgefahr ist weit weg: Die Preise sanken innerhalb eines Jahres sogar, um gut 1 Prozent.

Diese Gelassenheit mag angenehm sein für die Nationalbanker, die unter gewaltigem Druck stehen. Aber können wir deswegen wirklich ruhig schlafen? Die jetzige Strategie ist eine Spekulation darauf, dass sich die Euro-Zone wieder stabilisiert. Geschieht das Gegenteil – und dieses Szenario gibt es auch – könnte es mit der Ruhe schnell vorbei sein.

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