Der Kommentar: Ohne den Druck der Finanzmarktaufsicht (Finma) hätte die UBS-Führung noch eine Milliarde mehr an Boni ausgeschüttet – also sogar 4 Milliarden Franken. Hätte die Bank auf die Boni ganz verzichtet, hätte sie das Ziel schon fast erreicht, das UBS-Chef Oswald Grübel das oberste nennt: nämlich endlich wieder profitabel zu sein. Denn das Vertrauen lässt sich bei den Kunden am besten mit wirtschaftlichem Erfolg zurückgewinnen.

Stattdessen setzt auch der neue UBS-Chef auf die alten Handlungsmuster der Finanzbranche: So garantiert die UBS im schwierigen Geschäft mit reichen amerikanischen Kunden wieder hohe Boni. Etwas, das mittlerweile verpönt ist. Der neue US-Chef verspricht neuen Kundenberatern das, was ihre Kunden beim alten Arbeitgeber einbrachten. Damit wettet die UBS gewissermassen darauf, dass diese Kunden bei ihr mehr Gewinn abwerfen als bei der Konkurrenz.

Die neuen UBS-Berater müssen ihren Kunden also mehr und teurere Produkte und Dienstleistungen verkaufen. Schon fast ironisch mutet an: Weil die UBS auf Staatshilfe angewiesen war, geniesst sie weiterhin faktisch eine Staatsgarantie. Mit diesem Gütesiegel will sie ihre eigenen strukturierten Produkte (nach dem Konkurs von Lehman Brothers) besonders gut verkaufen. So soll nach Grübels Vorstellung das Private Banking mit den verbliebenen Kunden wieder rentabler gemacht werden.

Dafür braucht er Produktspezialisten, begnadete Verkäufer, die sich ihre Dienste teuer bezahlen lassen. Die Erwartungen an die Spezialisten sind hoch. Erfüllen sie diese nicht, fliegen sie raus. Das Risiko lassen sie sich vergolden. Zahlen tut es letztlich der Kunde.

Die Folge: Die Bankenführung ist erpressbar durch ihre Mitarbeiter. Streicht sie die Boni, laufen diese davon – das wird wohl stimmen. Doch hohe Boni sind ein Warnzeichen: Achtung, hier geht jemand hohe Geschäftsrisiken ein! Gier als Motor für Leistung hat jüngst eine neue Art von Exzess hervorgebracht: den Klau und Verkauf von Kundendaten.