Die Trainerfrage bei der CVP

Die Nachricht: Die CVP-Familieninitiative wurde krachend abgelehnt, und Umfragen sagen der Partei Verluste voraus.

Der Kommentar: Spätestens seit dem letzten Sonntag ist offensichtlich: Keine der grossen Parteien ist sieben Monate vor den Wahlen so schlecht aufgestellt wie die CVP. Präsident Christophe Darbellay machte sie zur Einthemenpartei: Familie, Familie, Familie. Das kommt immer gut an, dachte er. Doch es war Populismus am Volk vorbei.

Wir leben in ernsten Zeiten. Die Menschen – egal ob Familien, Singles oder Dinks – erwarten Antworten auf die grossen Fragen: Vereinbarung von Bilateralen und Zuwanderungsbeschränkung; Arbeitsplätze; Umgang mit dem Islam; Asyl. Hier nimmt man die CVP kaum wahr. Nichts gegen Familienpolitik: Entlastungen sind nötig. Aber damit allein ist kein Staat zu machen. Die wertkonservativen Wurzeln der «C»-Partei würden den Weg weisen für die richtigen Antworten auf die grossen Fragen, doch Darbellay sieht das «C» als Hypothek. Wie falsch das ist, zeigt die erfolgreiche CDU in Deutschland.

Nein, die Partei hat kein C-Problem, sie hat ein D-Problem. D wie Darbellay. Unter ihm wurde die Aufbauarbeit, die Vorgängerin Doris Leuthard geleistet hat, zunichtegemacht. Ihr war es gelungen, den Wählerschwund zu stoppen. Die Bedeutung des Parteipräsidenten ist nicht zu unterschätzen: Der Wahltriumph der SP 1995 hat mit Peter Bodenmann zu tun, der Aufstieg der SVP mit Christoph Blocher (SVP Zürich) und Ueli Maurer (SVP Schweiz), die Erholung der FDP mit Philipp Müller.

Kurz vor Saisonende steht die Einthemenpartei CVP in der Abstiegsrunde. Und man kommt, wie im Fussball, nicht um die Trainerfrage herum. Darbellay will bis zu den Wahlen CVP-Übungsleiter bleiben. Nicht nur beim FC Sion, dem führenden Club in Darbellays Heimatkanton, wäre klar, was jetzt zu tun wäre, um das Schlimmste abzuwenden.

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