Der Kommentar: Teilzeit-Pensen gehören heute zum Berufsleben wie Hörsäle zur Universität. Es ist deshalb verständlich, dass auch Studenten mehr Flexibilität fordern, besonders wenn sie dadurch ihr Studium finanzieren können. Das ist nicht der einzige Vorteil: Ein Nebenerwerb fördert die Eigenleistung sowie die Eigenverantwortung. Und Erfahrung erleichtert nach Bachelor- und Master-Abschluss den Einstieg in die Arbeitswelt. Ein Teilzeit-Studium flächendeckend einzuführen, wäre trotzdem falsch. Zwei Ausnahmen müssen bleiben: die ETH Zürich und Lausanne. Sie nehmen einen Sonderstatus ein, zählen sie doch zu den besten Hochschulen der Welt. Sie stehen nicht in Konkurrenz mit Bern oder Basel, sondern mit den Elite-Unis der USA und Grossbritanniens. Wer mit den Silicon-Valley-Nerds aus Stanford oder den Tech-Genies des MIT mithalten will, schafft das nicht nebenbei. Was Top-Studenten leisten, ist im Teilzeitpensum undenkbar. Es ist wie im Sport: Die besten Tennisspieler der Welt arbeiten nicht zu 40 Prozent als Kellner, sie hätten im Feld der Weltelite keine Chance.

Das soll einen Hochschulabschluss samt Nebenjob nicht abwerten. Im Gegenteil: Beides unter einen Hut zu bringen, ist nicht selbstverständlich. Nur sollte die Spitze, die ein bis fünf Prozent der Studenten, andere Ansprüche ins Auge fassen: Sie müssen sich international behaupten. Hier könnte die Schweiz einen Trumpf ausspielen, indem sie die kantonalen Stipendienbestimmungen lockert und die Besten finanziell absichern würde. Denn in Amerika haben Harvard- oder Stanford-Studenten nach ihrem Abschluss nicht nur ein Elite-Diplom, sondern wegen der horrenden Studiengebühren oft auch einen Schuldenberg. Das müssen wir unseren Studenten ersparen.

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