Warum, weiss ich nicht – vielleicht, weil alle anderen gegen Deutschland waren. Heute drückt zwar noch immer die Mehrheit der Schweizer dem Gegner Deutschlands die Daumen, so vermute ich. Aus Prinzip. Und doch ist es anders als damals: Die Deutschen sind uns sympathischer geworden. Als Fussballer und auch als Volk.

Auf unserer Redaktion hörte man bei jedem der vier Tore Jubel (okay, es gab auch «Neiii»-Rufe). Und nach dem Kantersieg gegen Argentinien drang der Lärm hupender Autos in unsere Büros. Ja, vielleicht waren es eingewanderte Deutsche; aber nur schon, dass sie es wagten zu hupen, wäre ein Zeichen, dass sie sich hier akzeptiert fühlen.

Doch ich bin sicher, viele der Autofahrer waren Schweizer.

Warum mögen wir die Deutschen jetzt zumindest ein bisschen? Sicher trägt das junge Team von Jogi Löw, der schweizerisch bescheiden wirkt, zum Umschwung bei. Thomas Müller und Lukas Podolski sind uns lieber als die grossmäuligen Andreas Möller und Lothar Matthäus vor zwanzig Jahren. Überhaupt fehlt der Mannschaft die Arroganz, die sie früher auszeichnete – und die Franz Beckenbauer nach dem WM-Titel 1990 geradezu zelebrierte: «Nun wird unsere Nationalmannschaft auf Jahre hinaus unschlagbar sein», sagte er mit Blick auf die Vereinigung mit dem DDR-Team.

Vielleicht hat der Hauch von Sympathie auch tiefere Gründe. Indem wir die Deutschen besser kennen lernen – weil wir ihnen im Alltag öfter begegnen –, mögen wir sie auch lieber. So war es schon bei den Italienern. Erst waren diese Einwanderer «Tschinggen», dann, über die Jahrzehnte, mochten wir sie zunehmend. Das jämmerliche Ausscheiden von Italiens Nati beelendete auch viele Schweizer.

Diese Wochehaben wir Urs Meier interviewt, den ehemaligen Weltklasse-Schiedsrichter aus dem Aargau. Der Fussballexperte des ZDF erzählt, als Schweizer spüre er in Deutschland einen Sympathie-Bonus. Trotz der Schlagzeilen um Bankgeheimnis und Steuerflucht. Umgekehrt gilt das in diesem Ausmass sicher noch nicht. Aber von WM zu WM etwas mehr.