Der Kommentar: Zuerst wars die Postfinance, dann die SBB und jetzt die Swisscom. Zum wiederholten Mal geht ausgerechnet ein staatsnaher Betrieb auf Crashkurs mit dem Datenschutz. Blenden wir zurück: 2014 wollte die Postfinance die Konten ihrer Kunden ausspionieren, um mit den Daten ein Werbegeschäft zu machen. Nachdem der Datenschützer interveniert hatte, erhielten Kunden immerhin die Wahl, ob sie ausgesogen werden wollen.

2015 liessen die SBB jegliches Fingerspitzengefühl vermissen. Mit der Einführung des Swisspass speicherte die Bahn die Bewegungsprofile ihrer Kunden. Die SBB als Datenkrake ist besonders skandalös, weil aus ihren Fängen als staatlicher Monopolbetrieb niemand entrinnen kann. Nachdem der Datenschützer intervenierte, krebsten auch die SBB zurück.

Und jetzt also die Swisscom: Was der Telekomkonzern tut, ist allerdings eine völlig neue Dimension. Mit dem Speichern des sogenannten Voiceprints dringt der Telekomkonzern tief in die Intimsphäre seiner Kunden ein – sogar Krankheiten lassen sich damit erkennen. Was mit den höchst persönlichen Stimmenprofilen geschieht, wenn Kunden den Anbieter wechseln, ist völlig unklar. Allein schon daran zeigt sich die Schamlosigkeit des Vorgehens. Und die Gefahr von Big Data sowieso: Wer weiss, ob die Swisscom nicht irgendwann privatisiert wird und die Daten den Krankenkassen zum Kauf anbietet?

Was als Sicherheitsmassnahme verkauft wird, wird für Kunden der Swisscom zur Unsicherheitsmassnahme.

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