Der Kommentar: Ob Natalie Rickli am AKW-Standort Leibstadt oder Christoph Blocher im Albisgüetli: Wo immer ein SVP-Exponent auftritt, kommt er auf die «linken Medien» zu sprechen. Der ehemalige SVP-Fraktionschef Walter Frey verstieg sich vorgestern gar zur Aussage, die Schweizer Medien seien «gleichgeschaltet». «Gleichschaltung» – den Begriff brauchten die Nazis, als sie die Pressefreiheit aufhoben und alle Medien auf die NS-Linie zwangen.

Ex-UBS-Chef Oswald Grübel wies im Albisgüetli zu Recht darauf hin, dass im Zeitalter der Transparenz nur noch die Fakten zählen. Was in den Zeitungen steht, was im Fernsehen kommt – das ist transparent und überprüfbar. Schauen wir also mal hin.

Fakt ist, dass die «Berner Zeitung» aus dem gescholtenen Tamedia-Verlag schon am Tag, als die «Weltwoche» mit der Hildebrand-Story erschien, dessen Rücktritt forderte. Fakt ist, dass die von Blocher mit Tiraden eingedeckte «NZZ» ihn selber zur Wahl in den Ständerat empfahl. Fakt ist, dass vor den Wahlen 7 von 11 grossen Zeitungen für einen zweiten SVP-Bundesratssitz plädierten (darunter «Der Sonntag»). Fakt ist, dass die längsten Interviews in der grössten Boulevardzeitung im Land, dem «SonntagsBlick», mit Blocher geführt werden. Fakt ist, dass die SVP in der «Arena» des Fernsehens am häufigsten präsent ist. Fakt ist, dass auf den grössten Regionalsendern, TeleZüri und M1, keine Partei so oft in Talksendungen eingeladen ist wie die SVP.

Linker Einheitsbrei? Gleichschaltung? Entweder ist das SVP-Mantra die neuste Ausprägung des «Alle-gegen-uns»-Marketings. Oder bei einigen SVP-Exponenten nimmt die Wahrnehmung der Medienlandschaft pathologische Züge an.

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