Die Stunde der Patrons

«Nach den Sommerferien kommt der Aufschwung», schrieb der Unternehmer und FDP-Nationalrat Ruedi Noser vor sechs Wochen in einem Gastkommentar für den «Sonntag». Bekommt er recht? Die deutsche Zeitung «Die Welt» triumphierte auf ihrer Frontseite: «Die Rezession ist zu Ende.»

Von einer Trendwende in der Schweiz spricht der Chefökonom des Bundes, Aymo Brunetti. Doch er bleibt vorsichtig. Erstens ist es bloss ein fragiler Mini-Aufschwung auf tiefem Niveau. Zweitens hinkt der Arbeitsmarkt hinterher: Die Arbeitslosenzahl wird noch mindestens ein Jahr lang steigen. Die «gefühlte» Konjunktur verschlechtert sich weiter.

Vor allem für Firmen aus der Exportbranche spitzt sich die Lage zu. Derart, dass ein Tabu fällt: Lohnsenkungen werden zum Thema. Das ist volkswirtschaftlich gefährlich und darf nur das letzte Mittel sein. Jetzt zeigt sich, wer ein wahrer Unternehmer ist – derjenige, der nach den fetten Jahren auch tiefere Gewinne oder gar Verluste in Kauf nimmt, bevor er Stellen und Löhne kappt.

Johann Schneider-Ammann ist ein solcher Unternehmer. Trotz Umsatz-Einbruch bis 40 Prozent nahm er in Langenthal (1200 Arbeitsplätze) keine Entlassungen oder Lohnsenkungen vor. Jobs statt Rendite – solche Patrons verdienen Respekt.

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