SF 1, SF 2 und SF Info erstmals unter der 30-Prozent-Marke.

Der Kommentar: Wer öffentlich ehrgeizige Ziele verkündet, darf nicht erstaunt sein, wenn er daran gemessen wird. Beispiel 1: die SVP, die im letzten Wahlherbst die 30-Prozent-Marke knacken wollte – und bei 26,6 Prozent hängen blieb. Beispiel 2: das Schweizer Fernsehen, das 2011 einen Marktanteil von 32 Prozent anpeilte – und ihn mit 29,8 Prozent klar verfehlte. Ansonsten im Dauerclinch über eine nicht vorhandene Linkslastigkeit am Leutschenbach, sitzen SRF und SVP für einmal im selben Boot.

Beide sind an ihre Grenzen gestossen. Und beide suchen die Schuld gerne bei den anderen. Bei der SVP sind es die anderen Parteien, die ihre Strategie nicht teilen, oder die Medien, die ihre Themen nicht aufnehmen. Beim Schweizer Fernsehen sind es die US-Produzenten, die keine Serienhits mehr liefern oder die digitale Konkurrenz. Für die SVP lauern die Feinde im Leutschenbach und für SRG-Generaldirektor Roger de Weck, der von einem Online-Portal mit Werbung träumt, in der Politik – weil sie ihm den Gebührentopf madig machen will.

Statt billige Ausreden vorzubringen, könnte eine Haltung sein: Wir sind gut, aber wir müssen besser werden. Doch da schwenkt SRF-Direktor Rudolf Matter lieber auf eine neue Argumentationslinie ein: Man solle diese 30 Prozent «nicht zum Fetisch machen». Dabei müssten die Fragestellungen doch lauten: Machen wir das beste Programm? Sind wir innovativ? Haben wir neue Stars? Aber es ist halt bequemer, den Quotenschwund zu verneinen und auf eine fehlende Fussball-WM abzuschieben.

Die SVP hat mit Christoph Blocher nach dem Debakel bei den Bundesratswahlen erste Ansätze zur Selbstkritik gezeigt. Das wäre auch für das Duo De Weck/Matter ein guter Vorsatz fürs 2012.

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