Kein WM-Team hat so viele Spieler mit ausländischen Wurzeln wie die Schweiz. Die «masseneinwanderungsbereinigte Nati» würde nur noch über einen einzigen Spieler verfügen, meldete Radio SRF 3. Das ist natürlich falsch: Alle Secondo-Spieler waren vor 2007 eingewandert, als die volle Personenfreizügigkeit eingeführt wurde. Sie kamen also unter Immigrationsregeln, die den Masseneinwanderungs-Initianten als Vorbild galten.

Politiker und Publizisten benutzen unsere Multikultitruppe gern für ihre Zwecke. Mit den – so vermuten sie – leicht unterbelichteten Fussballfans erreichen sie genau das richtige Publikum für ihre Botschaft: Den Typ «50,3 Prozent», dem sie seine vermeintliche Widersprüchlichkeit vorhalten, wenn er bei Toren von Mehmedi, Seferovic, Xhaka und Dzemaili jubelt. Diese Politiker und Publizisten unterliegen einem Denkfehler. Wenn diese Nati für etwas steht, dann für die Weltoffenheit der Schweizerinnen und Schweizer. TV-Zuschauer in aller Welt sind Zeuge, wie international dieses Land in Wahrheit ist.

Wohlverstanden, am Beispiel dieser Mannschaft lässt sich politisch einiges kritisieren: Valon Berahmis Vater wäre als Asylsuchender aus Behördenwillkür fast abgewiesen worden. Und Josip Drmic wurde die Einbürgerung in seiner Wohngemeinde absurderweise zuerst verweigert. Mit der Personenfreizügigkeit und der Einwanderungsinitiative hat aber beides nichts zu tun.

Die Zuwanderung einzudämmen, ist richtig – und selbst bei deren Halbierung wäre die Schweiz noch immer das Land, das im Verhältnis zur Bevölkerungszahl am meisten Immigranten aufnimmt. Sie bleibt Weltmeister der Weltoffenheit.

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