Was macht die Schweiz zu einem so sicheren Wert? Das ist die Ausgangsfrage, und der namenlose Autor liefert treffende Antworten wie diese: «In seinem Selbstbehauptungswillen hat das Land eine bemerkenswerte Kombination von Flexibilität und Festigkeit entwickelt.» Das Land gebe bei Konflikten zwar mitunter nach, «aber es fällt nicht um». Kurzum: «Die Schweiz macht keine Geschichte, sie folgt der Geschichte.»

Dieses Land, so meine ich, braucht nüchterne Analytiker genauso sehr wie mutige Visionäre. Auch wenn, wie der erwähnte Essay festhält, die Zukunft «nicht erträumt, sondern erarbeitet wird». Am Anfang der Arbeit steht oftmals ein Traum. Die Schweiz lebt diesen Traum, um den uns die halbe Welt beneidet, seit dem Jahr 1291 vor. Der Traum von einer Welt, in der es auch auf kleinstem Raum genügend Platz für unendlich viele Facetten gibt. Für Menschen und Meinungen aller Couleur. Von Christoph Blocher über Mona Vetsch bis zu Roger Federer. Von der Street Parade über den Circus Knie bis zur Fondation Beyeler. Von der Avenir Suisse über die GSoA bis zur Auns.

Landauf, landab werden heute in unzähligen Ansprachen die Errungenschaften der Schweiz wie Neutralität, Ausdauer und Krisenresistenz gepriesen. Allen Krisen im Bundesrat zum Trotz: Die Schweiz muss sich nicht neu erfinden, aber mit der Zeit gehen sollte sie schon – auch, wenn man auf seine Stärken vertrauen kann. Dazu gehört eine Debatte zur Europapolitik ohne Vorbehalte, wie sie auch die «NZZ» gestern forderte. Da verträgt es mindestens zwei Think-Tanks.

Unsere Stärken liegen in der komplizierten Art unseres Gebildes, aber auch in der Fähigkeit, es hinterfragen zu können. Dieser Schritt zurück ist manchmal nötig, um einen Schritt vorwärts zu machen. Das macht die Schweiz zu einem sicheren Wert.