Der Kommentar: Die Schweiz, oft als rückständig verschrien, hatte für einmal die Nase vorn. Nach dem Debakel mit der offenen Drogenszene am Zürcher Platzspitz erkannte sie vor gut zwanzig Jahren als weltweit erstes Land, dass polizeiliche Repression nicht zu weniger Drogenkonsum führt, sondern selber das Problem ist: Sie treibt die Preise für Drogen nach oben und fördert damit die Drogenmafia. Gleichzeitig treibt sie die Süchtigen ins Elend. Sie werden zu Beschaffungskriminellen, die auf der Strasse unter erbärmlichsten gesundheitlichen Umständen leben.

Gegen den Widerstand rechtsbürgerlicher Kreise und der Weltgesundheitsorganisation setzte die Schweiz frühzeitig auf einen vernünftigeren Ansatz: Mit der ärztlich kontrollierten Abgabe von Heroin an die Schwerstsüchtigen sank zunächst die Zahl der Drogentoten, später sogar die Zahl der Drogenabhängigen. Die Kleinkriminalität ging zurück, ebenso die zuvor erschreckend hohe Rate von HIV-Infizierten.

Weitergehende Schritte wie die Legalisierung von Cannabis oder gar von harten Drogen, wie sie zwei Volksinitiativen verlangten, hatten in den Neunzigerjahren keine Chance. Nun kommt diese Forderung ausgerechnet aus den lateinamerikanischen Produzenten- und Handelsländern für Kokain. Und zwar vorwiegend von konservativen Staatschefs.

Das macht Mut, dass sich eine liberale Drogenpolitik bald weltweit durchsetzen könnte. Doch wer hats erfunden? Die Schweiz.

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