Antwort von Oswald Grübel: Wenn etwas schiefgeht, haben wir immer das Verlangen, einen Schuldigen zu finden. Hauptsächlich um uns selbst von jeder Schuld zu befreien. Nichts lag näher, als die ohnehin ungeliebten Banken schuldig zu sprechen. Die Banken und deren Vertreter haben sich noch nicht einmal sehr dagegen gewehrt, was als weiteres Schuldeingeständnis gewertet wurde. Dabei spielten die Verluste der Banken und die Rettungsaktionen durch den Staat, die hohen Gehälter der Bankangestellten und der damit verbundene Neid eine grosse Rolle. Es hatte aber auch mit der sich gleichzeitig ausweitenden Transparenz zu tun.

Auf einmal mussten wir akzeptieren, dass unser zu grosses Vertrauen in die Banken erschüttert wurde und sich als nicht gerechtfertigt herausstellte. Die Politiker auf der ganzen Welt, links wie rechts, haben sofort erkannt, einen Schuldigen gefunden zu haben, dem niemand mehr glauben wird und dem man die Schuld an der Krise geben kann. Obwohl gerade die Staatsbanken versagt haben.

Die Staatsschulden sind mit ihrer gigantischen Grösse die wahre Ursache für die noch lange anhaltende Wirtschaftskrise. Die Sozialisten wollen weiter Schulden machen, denn sonst funktioniert ihr Verteilsystem nicht mehr, und die Kapitalisten wollen halbherzig sparen. Die Geschichte zeigt, dass erst den sozialistischen Versprechungen geglaubt wird, denn es geht uns ja noch gut. Nach Jahren des weiteren Schuldenmachens kommen wir dann zur Einsicht, dass es nicht weitergehen kann. Dann kehren wir zurück zum Kapitalismus, um den Kollaps zu vermeiden. Und dann wird auch das Ansehen der Banken wieder steigen. Leider kann das noch eine lange Zeit dauern.

Jede Woche beantwortet Oswald Grübel eine Leserfrage. Schicken Sie Ihre Frage an den ehemaligen UBS- und CS-Chef: gruebel@sonntagonline.ch

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper!