Der Kommentar: Von der «Schlacht von Aarau» war die Rede, von «neuer Qualität der Gewalt». Das ist Mumpitz – aus zwei Gründen. Zum einen: Wer die Läden nicht schliesst, darf sich über Sturmschäden nicht wundern. Eine Woche lang war von einem «Hochrisikospiel» die Rede. Gemessen daran waren die Sicherheitsvorkehrungen im baufälligen Brügglifeld lächerlich.

Zum Zweiten: Prügeleien gab es schon immer. Neu ist ihre mediale Aufbereitung in Hollywood-Manier. Verstehen Sie mich recht: Ich verabscheue Gewalt. Es gab aber immer schon Menschen, deren Gewaltpotenzial deutlich höher war als ihr Intelligenzquotient. Denken Sie an die Schlägereien in Büchern wie «Das fliegende Klassenzimmer». Nein, dass sich dumme Jungen prügeln, ist nicht neu. Neu ist, dass sie danach auf allen Kanälen gefeiert werden. Wenn etwas eine neue Qualität hat, dann ist die mediale Begleitung der Prügeleien.

Die Art, wie Medien und Gesellschaft mit Gewalt umgehen, ist bigott. Einerseits wird jede Rangelei unter Jugendlichen als Drehen der Gewaltspirale gebrandmarkt, andererseits führt Hollywood unserer Jugend in Filmen wie «Ironman» effektvoll vor, dass echte Helden ihre Probleme mit Faust und Bazooka lösen. Nach der Prügelei auf dem Brügglifeld fahren «Blick» und SRF in epischen Bildern die Schiene: «Schaut! Wie schrecklich!». Warum? Weil es Quote gibt. Wer in cineastischen Bildern die «Schlacht von Aarau» feiert, giesst Öl in das Feuer, über das er berichtet. Gescheiter wäre es, die Mütchen vor Ort mit einem Wasserwerfer zu kühlen – und die Kameras abzuschalten. Sollen sich die dummen Jungen doch prügeln.

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