Antwort von Oswald Grübel: Die kurze Antwort ist nein. Aber das Problem ist komplexer. Die Saläre und Boni zu reduzieren ist relativ einfach, da sie vom Gewinn der Banken abhängig sind. Der Prozess hat schon angefangen und wird sich weiter beschleunigen, auch wenn es ab und zu Ausreisser gibt. Aber keine Bank wird in Zukunft weiter hohe Vergütungen bezahlen können, wenn der Gewinn nicht entsprechend steigt – und selbst dann werden Aktionäre, Medien und Öffentlichkeit die Situation sehr kritisch verfolgen.

Nachteilig für die Banken ist der «brain drain», der schon seit ein paar Jahren mithilfe der Technologie stattfindet, die es Spezialisten erlaubt, sich selbstständig zu machen. Siehe zum Beispiel das ungeheure Wachstum der Hedge Funds in den vergangenen Jahren.

Komplizierter verhält es sich in Bezug auf die höheren Kapitalanforderungen für Banken. Kapital ist zurzeit nur sehr schwer zu beschaffen. Keine Frage, wir möchten alle hoch kapitalisierte und somit sicherere Banken. Fest steht auch, dass in den letzten 15 Jahren starken Wirtschaftswachstums die Kapitalstärke der Banken abgenommen hat und dass die aus der Finanzmarktkrise von 2008 resultierenden hohen Verluste zur weiteren Verunsicherung beigetragen haben. Die Banken kommen nicht umhin, weiterhin ihre Bilanzen abzubauen und damit indirekt ihr Kapital zu erhöhen. Der Zeitpunkt hierfür ist leider denkbar schlecht. Ohne Kreditschöpfung wird es kein Wirtschaftswachstum geben. Wir werden uns in den nächsten Jahren bestenfalls mit geringem oder null Wachstum abzufinden haben.

Jede Woche beantwortet Oswald Grübel eine Leserfrage. Schicken Sie Ihre Frage an den ehemaligen UBS- und CS-Chef: gruebel@sonntagonline.ch

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