Contador in Paris zu Ende. Die Frankreich-Rundfahrt ging – wie schon letztes Jahr – ohne Dopingskandale über die Bühne.

Der Kommentar: Es war in den letzten Jahren schwierig, über den Radsport zu berichten, ohne dem Thema Doping mehr Gewicht zu geben als den sportlichen Leistungen der Radprofis – besonders im Zusammenhang mit der Tour de France. Das wichtigste Velorennen der Welt wurde regelmässig von Dopingskandalen erschüttert. Vor allem in den Jahren 2006 bis 2008. Also genau in der Zeitspanne, in der Lance Armstrong seinen temporären Ruhestand genoss.

Zufall ist das sicher nicht. Kaum war Armstrong 2005 von der grossen Bühne abgetreten, zeigte sich vor allem die der Tour-Organisation (ASO) gehörende, französische Sport-Tageszeitung «L’Equipe» in ihren Bemühungen im Kampf gegen den Dopingmissbrauch äusserst aggressiv. Intensive Recherchen brachten gar positive Dopingproben Armstrongs aus dem Jahr 1999 ans Tageslicht. Auch die Tour selber ging knallhart auf Konfrontationskurs mit dem Welt-Radsportverband (UCI) und strengte eigene, intensivere Dopingkontrollen an. Das blieb nicht ohne Folgen. Einige der besten Fahrer wurden als Betrüger entlarvt, darunter Floyd Landis, Alexander Winokurow, Michael Rasmussen, Riccardo Ricco, Bernhard Kohl und Stefan Schumacher.

Als Lance Armstrong im Vorjahr zurückkehrte, verebbten auch die Doping-Diskussionen. Und das zeigt die politische Dimension des Ganzen. An der Spitze der ASO kam es einige Wochen vor Armstrongs Comeback-Ankündigung zu einem Wechsel. Der Doping-Hardliner Patrice Clerc musste gehen. Auch die Berichterstattung der zuvor so kritischen «Equipe» wandelte sich. Plötzlich stand wieder der Sport im Vordergrund.

Man hatte an der ASO-Spitze gemerkt, dass man mit dem gnadenlosen Anti-Doping-Kurs den Ast, auf dem man sitzt, selbst abzusägen drohte. In dieses Gesamtbild passt auch, dass die UCI in diesem Jahr wieder die Hoheit über die Dopingkontrollen hat. Dass kürzlich bekannt wurde, dass Armstrong früher mehrfach Geld an die UCI «gespendet» hat für ein «Anti-Doping-Programm», lässt die Gerüchteküche zusätzlich brodeln. In den USA droht dem nun endgültig abtretenden Star ein Prozess. Gut möglich, dass nach der trügerischen Ruhe bald ein neuer Sturm losbricht.