Eben hat der Bundesrat den Kauf neuer Kampfjets verschoben. Und nun kommt der Luftwaffen-Chef und spricht von neuen Gefahren, gegen die sich die Schweiz rüsten müsse. Von Raketen mit 3000 Kilometer Reichweite, abgefeuert von ausserhalb Europas. Von der Erpressung durch terroristische Organisationen. Von möglichen Angriffen der Taliban.

Sind das Fantasien eines Offiziers, der Schreckensszenarien heraufbeschwört, um mehr Geld für die Armee zu erhalten?

Bevor man sich empört, lohnt es sich, über seine Aussagen nachzudenken. Europa und damit die Schweiz sind neuen Gefahren ausgesetzt. High-Tech-Waffen können in die Hände von Terrororganisationen geraten, die von wirren Diktatoren unterstützt werden. Das Verteidigungsbündnis Nato hat deshalb vor drei Monaten eine neue Strategie erarbeitet. Darin enthalten: eine eigene Raketenabwehr.

Es ist gut, dass Luftwaffen-Chef Gygax eine Diskussion darüber lanciert, welches die realen Bedrohungen des 21. Jahrhunderts sind – und wie die Schweiz darauf reagieren soll. Dabei ist klar: Die Frage der Raketenabwehr berührt helvetische Tabus. Denn die Schweiz könnte sich diese nur in einem europäischen Verbund leisten. Deshalb steht uns nicht nur eine Sicherheits-, sondern auch eine Neutralitätsdebatte bevor.