Der ehemalige SS-Soldat Günter Grass kann aufgrund altersrenitenter literarischer Inkontinenz seine "letzte Tinte" offensichtlich nicht mehr halten und hat ein trutziges "israelkritisches" Manifest (er nennt es Gedicht) verfasst, dessen Inhalt sich in einem Satz wiedergeben lässt: Israel gefährdet den Weltfrieden (für seinen ehemaligen Oberbefehlshaber Adolf Hitler erfüllte das "Weltjudentum" seinerzeit die selben Kriterien).

Mit einigem Erstaunen stellte ich fest, dass Grass von den meisten normalerweise fast ausschliesslich iraelfeindlichen Medien heftig kritisiert wurde, worauf dieser sich flugs einer ungerechten Hetzkampagne ausgesetzt sah.

Nun fühlt sich jedoch ausgerechnet der Schweizer Adolf Muschg bemüssigt, als erster Schriftsteller seinem anscheinend zu Unrecht in Ungnade gefallenen Kollegen zu Hilfe zu eilen, was mich als schweizer Jude einigermassen befremdet hat. Doch auch andere Exponenten der eidgenössischen schreibenden Zunft wie Pedro Lenz, Klaus Merz und Lukas Bärfuss verteidigen Grass.

Der SPD-Parteivorsitzende Sigmar Gabriel verunglimpfte Israel unlängst als Apartheidsystem, obwohl Israel der einzige demokratische Rechsstaat im Nahen Osten ist. Araber geniessen aufgrund der israelischen Unabhängigkeitserklärung die gleichen Rechte wie die israelische Bevölkerung, sie sind in der Regierung (Knesset) vertreten, sind als Sportler in israelischen Nationalmannschaften tätig und bekleiden hohe Staatsämter. So hat ein arabischer Richter den ehemaligen israelischen Präsidenten Katzav wegen sexueller Gewalt zu einer hohen Gefängnisstrafe verurteilt. Man stelle sich dagegen vor, ein israelischer Richter hätte Präsident Mubarak verurteilt. Selbst nach der Gründung eines palästinensischen Staates würden rund 77 Prozent der in Israel lebenden Palästinenser ein Leben in Israel vorziehen. Gesetze, die Juden das Leben in arabischen Ländern erschweren, sind die Regel, nicht die Ausnahme. Saudi-Arabien erlaubt nicht einmal die Einreise jüdischer Besucher, geschweige denn jüdische Beschäftigte aus dem Ausland. Jordanien betreibt eine Politik, die es Juden nicht erlaubt im Land Wohnung zu nehmen. Das ist die wahre Apartheid.

Der muslimische Scheich Muhammad Hussein, der aktuelle Mufti der PA (Palestinian Authority) von Jerusalem, fordert im Januar 2012 (!) seine Religionsgenossen öffentlich zum Judenmord auf. Angekündigt wurde Hussein mit den Worten: "Seine (Husseins) Worte sind nötig, weil unser Kampf gegen die Affen und Schweine (Juden) ein religiöser Glaubenskrieg ist!". Die Empörung nach dieser Hetzrede vom 09.01.2012 in Jerusalem, quittierte der Scheich mit der Bemerkung, er hätte "lediglich den Koran zitiert".

Warum schweigt hier Pedro Lenz? Scheinen ihm die "politischen Ansichten" von Sigmar Gabriel womöglich genauso "absolut nachvollziehbar und legitim" wie diejenigen von Günter Grass? Warum üben Klaus Merz und Lukas Bärfuss hier keine "Kritik"? Sehen sie womöglich auch Scheich Hussein genauso wenig als Antisemiten wie ihren Spezi Grass? Weshalb vernehmen wir hierzu vom Schreibwerker Muschg lediglich "dröhnendes Schweigen"? Wo bleibt hier seine vieldeutige "Verpflichtung zur moralischen Intervention"?

Weshalb kommt es bezüglich Israel (übrigens der einzige Staat weltweit, dem das Existenzrecht abgesprochen wird) immer wieder zu inhaltlichen wie formalen Totalausfällen diverser Zeitgenossen aus sämtlichen gesellschaftlichen, beruflichen und intellektuellen Schichten? Warum geht die sogenannte "Israelkritik" diesen selbsternannten Moralwächtern so leicht über die Lippen? Das im journalistischen Sprachgebrauch verwendete Wort "Israelkritik" wurde übrigens explizit für Kritik an Israel erfunden. Von "Russlandkritik", "Chinakritik" oder "Kongokritik" ist mir hingegen nichts bekannt, obwohl in diesen Ländern die Menschenrechte im Sekundentakt verletzt werden.

Der Grund dafür ist leicht nachvollziehbar: Zwei der drei Weltreligionen, nämlich das Christentum und der Islam, bieten durch die in ihren religiösen Schriften (Bibel und Koran) propagierte Judenfeindlichkeit, den Nährboden für derartige Ergüsse. Beide Religionen predigen seit Jahrtausenden den Judenhass. Allerdings wurde der europäische Antisemitismus den Muslimen erst von den christlichen Missionaren im Nahen Osten vermittelt. Es waren arabische Christen, die 1869 erstmals europäische antisemitische Traktate, wie die nachweislich gefälschte antisemitische Schmähschrift "Die Protokolle der Weisen von Zion", ins Arabische übersetzten. So wurden Muslime auf das Bild des Juden als Freimaurer, Großkapitalist, Kommunist, Umstürzler und Verschwörer mit dem Ziel der Weltherrschaft eingeschworen.

In der Bibel sind die Juden Jesusmörder, sie "gefallen Gott nicht und sind allen Menschen Feind" (Gemeindebrief Paulus von Tarsus). Viele Christen sehen im Holocaust die gerechte Strafe der Juden für den Mord an Gottes Sohn (Deizid) und noch heute wird in der Karfreitagsfürbitte des Vatikans für die "Erleuchtung" der Juden gebetet. Damit befindet sich das Christentum in der historisch einzigartigen Position, eine andere Religion anzuklagen, den eigenen Gott getötet zu haben. Im Koran wiederum werden die Juden als Affen und Schweine (Koranwunder) bezeichnet, die es zu töten gilt, da der "jüngste Tag" für Muslime erst kommen wird, wenn die Juden "besiegt" sind.

Der Holocaust wäre ohne den Antijudaismus in der Bibel niemals möglich gewesen. Konkrete Fehler, Versäumnisse oder Verbrechen seitens der Kirche im Bezug auf den Holocaust, die Möglichkeiten einer Wiedergutmachung oder gar eine Entschuldigung oder ernst zu nehmende Schuldannerkennung blieben bis heute aus. Auf die Frage, warum der Vatikan nicht gegen die systematische Vernichtung der Europäischen Juden protestierte, antwortete der umstrittene Papst Pius XII: "In den Deutschen Heeren sind Millionen von Katholiken sind. Soll ich sie in Gewissenskonflikte bringen?" Und von Adolf Eichmann, dem Architekten der "Endlösung der Judenfrage", dürfen wir lesen: "Ich erinnere mich in tiefer Dankbarkeit an die Hilfe katholischer Priester bei meiner Flucht aus Europa."

Auch der Nahost-Konflikt ist entgegen der mehrheitlichen Meinung kein territorialer, sondern ein religiöser Konflikt, der mit einem eigenen Staat für die Palästinenser nicht das Geringste zu tun hat, sondern einzig und allein mit der fundamentalistischen Idee eines muslimischen Gottesstaates:

"Unser Hass auf die Juden ist in unserem Glauben begründet! Wir werden die Juden als Feinde betrachten, selbst wenn sie uns Palästina zurück geben. Weil sie Ungläubige sind! Die größten Feinde eines jeden Moslems nach dem Teufel sind die Juden! Wer sagt das? Gott sagt das!" - Al-Aqsa TV (Gaza), 31. März 2012

Im Dezember 2010 sagte PA-Präsident Mahmud Abbas: "Ich werde nie auch nur einem einzigen Juden erlauben unter uns auf palästinensischem Land zu leben." Ein solcher, von der UNESCO bereits anerkannter und vom Westen mit Milliarden an Fördergeldern unterstützter palästinensischer Staat, wäre der erste seit Nazi-Deutschland, der Juden das Leben auf seinem Gebiet verbietet. Diese rassistische Sicht, die in arabischen Schulbüchern zu finden ist und in den Schulen aller arabischen Staaten gelehrt wird, ist der ultimative Riegel für Frieden in der Region, nicht die jüdischen Einwohner Judäas und Samarias.

Zu dieser in den beiden Religionen fest verankerten Judenfeindlichkeit gesellt sich das schlechte Gewissen bezüglich der unterlassenen Hilfeleistung gegenüber den verfolgten Juden und der empathielosen Duldung ihres Schicksals. Europa (nicht nur Deutschland) hat sich durch die Beihilfe am versuchten Genozid an den europäischen Juden durch die Nazis eine untilgbare Schuld aufgeladen. Auch die Schweiz schloss ihre Grenzen, obwohl Carl J. Burckhardt, Präsident des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes, bereits 1935 und 1936 Konzentrationslager in Deutschland besuchte und über die Verbrechen der Nazis bis ins letzte Detail Bescheid wusste (Israels Magen David Adom ist bis heute die einzige Ambulanz-Organisation der Welt, die nicht zum Internationalen Roten Kreuz zugelassen wird).

Juden wurden in der Schweiz nicht als politische Flüchtlinge anerkannt. Als "wesensfremde Elemente" klassifiziert, deren Pass mit einem Judenstempel (J) versehen wurde (eine Idee des damaligen schweizer Polizeichefs Heinrich Rothmund), schickte man sie grösstenteils zurück in den sicheren Tod, um sich nach dem Krieg an den Vermögen der Toten zu bereichern.

Der St. Galler Polizeikommandant Paul Grüninger (1891–1972) rettete in den Jahren 1938 und 39 mehrere hundert jüdische und andere Flüchtlinge vor der nationalsozialistischen Verfolgung und Vernichtung, indem er die schweizerische Grenzsperre und die die Weisungen des Bundes missachtete und auch Gesetze übertrat, um die Flüchtlinge zu schützen. 1939 wurde Paul Grüninger deshalb von der St. Galler Regierung fristlos entlassen und 1940 vom Bezirksgericht St. Gallen wegen Amtspflichtverletzung und Urkundenfälschung verurteilt. Er wurde von den schweizer Behörden diskreditiert, verfemt und geriet schliesslich in Vergessenheit. Bis zu seinem Tod lebte er in Armut.

Heute noch ist die schweizer Politik nicht sonderlich zurückhaltend, wenn es darum geht, Israel zu verurteilen. So gehört die Schweiz zu den wenigen westlichen Staaten, die kontinuierlich Beschlüsse des "Menschenrechtsrats" gegen Israel unterstützen. Dass in diesem fragwürdigen Rat einige der notorischsten Menschenrechtsverletzer sitzen, scheint den Bundesrat wenig zu kümmern.

Bekanntlich geht ein schlechtes Gewissen immer auch mit einer völlig unverhältnismäßigen und ungerechtfertigten Aggression gegen den Verursacher desselben einher. So entlädt es sich im Falle der europäischen Juden nach anfänglicher "Sympathie" für Israel in einem grotesken, als "Antiisraelismus" oder "Antizionismus" getarnten Judenhass.

Dieser undifferenzierte und meistens auch unbewusste Judenhass entspringt dem Bedürfnis, einen Schlussstrich unter den Zweiten Weltkrieg zu ziehen. Immer mehr Menschen haben das Gefühl, sich von der Vergangenheit (im Falle von Grass ist es seine eigene) lösen zu können, indem sie die Juden als Täter verurteilen.

Das niveaulose, verleumderische und zutiefst realitätsferne Pamphlet von Günter Grass ist lupenreiner Antisemitismus. Muschg mag jedoch in dem vermeintlichen Tabubruch (seit 40 Jahren sagen vor allem die islamischen Staaten, zuletzt die Türkei und die gesamte deutsche Linke das Gleiche) keinen Antisemitismus erkennen, für ihn ist es ein "weltbürgerlicher" Appell eines "um den Weltfrieden besorgten Mahners".

Und ausgerechnet die deutsche Bundesregierung hat ebenfalls eine ganz eigene verquere Meinung zu Grass' Schmähschrift. Gemäss Regierungssprecher Steffen Seibert handelt es sich dabei um ein "Kunstwerk". Eine Bewertung der Regierung wurde deshalb auch mit dem Verweis auf die "Freiheit der Kunst" abgelehnt (das hat der Günni ganz geschickt eingefädelt, seine Hetzschrift als "Gedicht" zu verkaufen, obwohl dieser stümperhafte Schüttelreim jegliche gedichttypischen Merkmale vermissen lässt).

Im Falle von Thilo Sarrazins Buch "Deutschland schafft sich ab", betätigte sich Bundeskanzlerin Merkel hingegen sehr wohl als Buchkritikerin, indem sie das Buch "scharf kritisierte" und sogar der deutschen Bundesbank nahelegte, über Konsequenzen für den damaligen Vorstand Sarrazin nachzudenken. Dass sie nun bei Grass schweigt, gibt zu denken. Aber wie sagte bereits Kaiser Wilhelm: "Was Kunst ist, bestimme ich!"

Von Sartre stammt der Satz: "Was der Antisemit wünscht und vorbereitet, ist der Tod der Juden. Natürlich verschleiert er seine Absichten, indem er sie als "Kritik an den Juden" bezeichnet, manchmal ist er sogar mit Juden befreundet. Aber das unverhandelbare Endziel ist und bleibt für immer die Vernichtung des gesamten jüdischen Kollektivs. Bis dieses Ziel nicht erreicht ist, wird er mit seiner "Kritik an den Juden" nicht aufhören."

Auf den sogenannten "Antizionismus" umgewandelt heißt das: "Was der Antizionist wünscht und vorbereitet, ist der Tod Israels." Er verschleiert seine Absichten, indem er sie als "Israelkritik" bezeichnet, manchmal ist er "sogar mit Israelis befreundet". Aber das unverhandelbare Endziel ist und bleibt für immer die Vernichtung des gesamten jüdischen Staates, sei es durch das Recht des Iran auf atomare Bewaffnung oder durch das "Rückkehrrecht" der Palästinenser. Bis dieses Ziel nicht erreicht ist, wird er mit seiner "Israelkritik" nicht aufhören.

1900: "Juden, verschwindet nach Palästina!". 2012: "Juden raus aus Palästina!"

1942 wollten Antisemiten die Welt "judenrein" machen. 2012 wollen Antisemiten die Welt "judenstaatrein" machen.

Hiess es früher "Die Juden sind unser Unglück!", so heisst es seit Grass "Israel ist unser Unglück!"

Der einzige Unterschied zwischen Antisemitismus und Antizionismus ist, dass der Antizionist den jüdischen Staat als Feindbild hat, der Antisemit aber die gesamte jüdische Gemeinschaft. Nahezu jeder Antisemit ist gleichzeitig Antizionist, und viele Antizionisten werden mit der Zeit auch zu ganz gewöhnlichen Antisemiten.

Sollte Israel eines furchtbaren Tages tatsächlich vernichtet werden, wie das der von Grass als "Maulheld" verharmloste iranische Präsident Ahmadinejad für das "zionistische Krebsgeschwür" wiederholt angekündigt hat, werden sich die meisten "Antizionisten" schnurstracks wieder in traditionelle Antisemiten zurückverwandeln. Dass sie mit dem Iran eine terroristische Diktatur unterstützen, die Frauen steinigt und Homosexuelle an Baukränen lyncht, scheint die hypokriten "Friedensaktivisten" ebenso wenig zu stören, wie die Tatsache, dass Grass, der Schröder-Kumpel und neugekürte Ikone der "Friedensbewegung", einer der flammendsten Befürworter des Jugoslawienkriegs war.

Überhaupt wird der selbsternannte Märtyrer von seinen Jüngern in jeder Hinsicht mit Samthandschuhen angefasst. So wird seine SS-Mitgliedschaft lapidar als durchaus verzeihliche Jugendsünde eines 17-jährigen abgetan. Was wohl die fast gleichaltrige Sophie Scholl dazu sagen würde? Im Gegensatz zum Moraltrompeter Grass, der durch sein Geschwurbel einzig seinen ohnehin schon arg ramponierten Ruf als zweifelhafte "moralische Instanz" zu verlieren hat, bezahlten Scholl und die Mitglieder der "Weissen Rose" ihren Wiederstand gegen die Nazis mit dem Leben.

Der antisemitische schweizer Nationalrat Geri Müller ist vermutlich wie bezüglich der Verbrechen der Hamas auch hier der Meinung, Grass hätte damals lediglich "Seich" gemacht.

Auch Grass' weinerlicher Vergleich eines demokratischen Rechtsstaats (Israel) mit einer Diktatur (DDR) aufgrund des gegen ihn verhängten Einreiseverbots nach Israel, zeugt nicht gerade von intellektuellem Tiefgang und die Aufregung darüber bei zahlreichen Politikern ist gradezu lächerlich. Deutschland verweigerte Personen die Einreise, die im Verdacht standen, "die öffentliche Ordnung zu stören", unter anderem dem Sektenführer Mun, dem weißrussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko, dem Gaddafi-Sohn Saif el Arab Gaddafi und dem ehemaligen Thailändischen Ministerpräsidenten Thaksin. Die Schweiz müsste sich einen Vergleich mit der DDR ebenfalls gefallen lassen: 2009 verhängte das Bundesamt für Migration ein Einreiseverbot für den islamistischen Prediger Pierre Vogel.

Unterdessen erfährt Grass auf zahlreichen rechtsradikalen, islamistischen, rassistischen und antisemitischen Internetportalen, aber auch in den Kommentarspalten der sogenannten "Qualitätsmedien" wie WELT, ZEIT, BAZ, FOCUS, SÜDDEUTSCHE, SPIEGEL etc. (ungefilterte..?) euphorische Zustimmung seitens des "Volkssturms", der sich mit sämtlichen antijüdischen, antisemitischen und antiisraelischen Klischees und Ressentiments in einer Weise selbst diskreditiert, dass man sich oft auf der Webseite der NPD vermutet. "Grass spricht aus, was das deutsche Volk denkt", ist da zu lesen. Ob bewusst oder unbewusst: Grass bedient antisemitische und antijüdische Reflexe und stürzt damit auf das moralische Niveau eines Haider, Möllemann oder Gabriel.

In Johann Wolfgang von Goethes Briefen, Tagebüchern und Gesprächen finden sich Bemerkungen, die mit Fug und Recht als antisemitisch bezeichnet werden können, sowohl aus der Sicht von damals wie aus der heutigen. Vielleicht hat Goethe gerade deshalb so punktgenau und treffend das Problem in seiner Essenz erkannt und beschrieben, das die Welt mit den Juden hat:

"Was klagst du über Feinde? Sollten solche denn je werden Freunde, denen das Wesen, wie du bist, im Stillen ein ewiger Vorwurf ist?"

Das letzte Wort soll die Jüdin und Holocaust-Überlebende Fanny Englard haben. Sie wurde am 6. Dezember 1941 als 16-jährige von Hamburg nach Riga deportiert und am 8. März 1945 von der Roten Armee befreit. Ihr Vater starb im Warschauer Ghetto, ihre Mutter und ihr zehnjähriger Bruder Arnold wurden gemeinsam mit der Großmutter sowie Tanten und Cousinen in Belzec vergast. Ihre Brüder Leo und Isi wurden im Alter von 15 und 13 Jahren bei Minsk erschossen. Fanny Englard kam 1947 nach Israel und heiratete, wie sie sagt, "um eine neue Familie zu gründen, als Ersatz für die ermordete Familie, die dem Judenhass zum Opfer gefallen war". Heute wohnt sie in der Nähe von Tel Aviv:

"Juden mussten immer um ihr Leben kämpfen. Das macht uns anders als andere Völker. Wir haben aus der Shoa gelernt. Das Recht zu leben lassen wir uns nicht noch einmal nehmen. Früher waren wir Exiljuden. Heute sind wir freie Juden. Wenn wir geschlagen werden, schlagen wir zurück. In Deutschland heißt es: "Nie wieder Krieg". Für uns heißt es: Niemals wieder werden wir erneut wehrlose Opfer des Judenhasses sein. Früher war ich naiv. 1944 saß ich im Winter im Arbeitslager Sophienwalde und dachte: Wo ist die Stimme der Welt? Die wissen sicher nicht, wo wir sind. Doch die Welt wusste von Auschwitz. Seitdem weiß ich: Wenn ich mich auf die Welt verlasse, bin ich verlassen."