Der Kommentar: Die Post ist zu hundert Prozent im Besitz des Bundes. Sie geniesst noch heute ein Monopol bei den meistversandten Briefen. Und sie macht, auch dank dieses Monopols, jedes Jahr einen erklecklichen Gewinn. Im vergangenen Jahr waren es über 900 Millionen Franken, was die Konzernleitung jubeln liess, sie habe «erneut ein ausgezeichnetes Jahresergebnis» erzielt.

Es mutet deshalb seltsam an, dass sie nun über Lohnsenkungen nachdenkt. Diese wären höchstens dann gerechtfertigt, wenn es dem Unternehmen miserabel ginge. Oder wenn die Löhne überrissen wären. Beides ist nicht der Fall. Der Post geht es blendend, und ein Monatslohn von 5800 Franken für einen Schalterangestellten mit zwölf Jahren Erfahrung kann zwar als solide, aber kaum als übertrieben bezeichnet werden.

Es spricht zwar einiges dafür, die Löhne regional abzustufen, wie es die Post im Sinn hat. Denn es macht nun mal einen Unterschied, ob ein Mitarbeiter im teuren Zürich oder im günstigen Münstertal wohnt. Die Post schiesst aber übers Ziel hinaus. Sie wendet falsche Massstäbe an, wenn sie die Anforderungen für die Schalterangestellten mit jenen im Detail- oder Fachhandel gleichsetzt. Dafür sind diese zu verschieden.

Vor diesem Hintergrund ist es unverständlich, dass ausgerechnet ein Staatsbetrieb ohne Not einen Streit mit den Gewerkschaften vom Zaun reisst. Die Post übersieht dabei, dass sie auf den sozialen Frieden angewiesen ist, wenn sie weiterhin hohe Gewinne erwirtschaften will.

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