Der Kommentar: Steht die Politik vor wichtigen Entscheiden, malen die Politikerinnen und Politiker den Teufel an die Wand, um ihre Forderungen durchzubringen oder ein Anliegen abzuwehren. So befürchten einige den «totalen Verkehrskollaps», sollte die zweiten Gotthardröhre nicht gebaut werden, andere den Super-GAU, gehen die Atomkraftwerke nicht sofort vom Netz.

Auch in den Neunzigerjahren malten die Politiker den Teufel an die Wand. Damals hatte der Bundesrat beschlossen, die ärztlich kontrollierte Heroinabgabe zu bewilligen. Der Berner Freiheitspartei-Vertreter Jürg Scherrer sprach von «Beihilfe zum Selbstmord auf Raten». Und der Waadtländer FDP-Mann Philippe Pidoux geisselte die seiner Ansicht nach verhängnisvolle Rolle des «Staates als Dealer», der sich auf ein Spiel einlasse, dessen Regeln er nicht kenne.

Doch schliesslich sprach sich die Mehrheit von Parlament und Bevölkerung für eine progressive, weltweit einzigartige Lösung aus. Das Vier-Säulen-Modell setzte im Umgang mit Heroin-Konsumenten neben Prävention, Therapie und Repression auch auf Überlebenshilfe. Die Zahl der Drogentoten sank. Nur noch wenige beginnen heute, Heroin zu konsumieren. Die pragmatische Politik – ein Erfolg!

Die Lösung in der Drogenpolitik zeigt, was möglich ist, wenn die politischen Schwarzmaler angesichts menschlichen Leids sich dazu durchringen können, ein Problem anzupacken. Auch künftig stehen sich Liberale und Konservative im Parlament gegenüber. Es ist zu hoffen, dass sie wie schon am Platzspitz einen Konsens finden und Entscheide zugunsten von Menschen fällen werden.

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