Freisinnig heisst, die Freiheit unter allen Umständen zu verteidigen – allen Verlockungen der wohlmeinenden Therapeuten, Politiker, Beamten und Professoren zum Trotz. In den meisten Fällen wissen die Bürger besser, was ihnen guttut als jeder Experte. Diese einzigartige Fähigkeit des Menschen gilt es zu bewahren.

Liberale im klassischen Sinne, wie ich selbst, glauben daran, dass der Mensch in der Lage sein sollte, so viel wie möglich selber zu entscheiden. Deshalb schätzen wir die Demokratie, am liebsten in ihrer direktesten Form der Volksabstimmung, deshalb bewundern wir den Markt, wo jedes Individuum seine Präferenzen bestimmen kann, entsprechend seinen Mitteln, die er in eigener Verantwortung erwirtschaftet hat, und deshalb halten wir jedes Gesetz, jede Regulierung und jede Vorschrift zunächst für überflüssig. Wenn unsere Freiheit eingeschränkt werden soll, dann muss man uns das gut erklären. Skepsis gegenüber jedem Staatseingriff zeichnet den Freisinnigen aus.

Drei Ziele ergeben sich daher für die FDP, die sie nicht oft genug wiederholen kann:

Erstens, wir nehmen den Staat zurück. Mit einer Steuer- und Abgabenquote, die mittlerweile bei gegen fünfzig Prozent des Bruttoinlandproduktes liegt, hat leider auch die Schweiz keinen schlanken Staat mehr. Will die FDP sich als die liberale Kraft profilieren, dann darf sie keiner einzigen Steuererhöhung mehr zustimmen. In keinem Kanton, in keiner Gemeinde, nicht im Bund. Die Bürokratie ist zu gross geworden, nur weniger Geld wird sie demütiger machen.

Zweitens, die FDP ist nicht grün. Während viele andere Parteien mit dem Vorwand, die Umwelt zu schützen, nichts anderes bewirken als noch mehr Gesetze, die uns alle arm machen, setzt die FDP auf die Kraft des Marktes. Nichts wird die Umwelt mehr entlasten als bessere Technologien. Und nichts hintertreibt diese zuverlässiger als zu viele Regeln und Verbote. Forschern soll erlaubt sein, das Undenkbare zu denken, Unternehmer sollen Geld verdienen dürfen, wenn sie neue Produkte auf den Markt bringen. Kreative Zerstörungskraft des Kapitalismus: Dafür steht die FDP.

Drittens, es gibt es keinen Grund, warum die FDP die Schweiz aufgibt, solange sich der Nationalstaat nach wie vor als beste Garantie von Demokratie und Privateigentum erweist. Internationale Organisationen, weltweite Harmonisierungen, EU-Beitritt: Meistens bedeuten sie Abbau von Freiheit für den einzelnen Bürger. Wenn eine Partei national ist, dann die FDP. Sie hat den Bundesstaat durchgesetzt, sie verteidigt ihn bis zum bitteren Ende. Die Partei der Freiheit war immer auch die Partei der Schweiz.

Die externen Kolumnisten und Kommentatoren des «Sonntags» äussern in ihren Beiträgen ihre persönliche Meinung.

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