Der Kommentar: Selbst die «Tagesschau» ruft die goldenen Zürcher Opernzeiten aus, jubelt noch im Dezember über das Eröffnungsfest der neuen Direktion von Andreas Homoki. Bis ans Bellevue standen die Zürcher Schlange! Kein Wunder. Am 16. September, lange ists her, war alles gratis. Nun aber kosten die Karten wieder bis zu 320 Franken, 32 bis 270 für einen Christoph-Marthaler-Abend. Solcherart Musiktheater gab es in Basel oder am Schauspielhaus Zürich bis anhin für die Hälfte zu sehen. Weil der ausgebuhte Premierenabend abgestanden gestrig war, kam in den Folgevorstellungen auch das ersehnte «neue Publikum» nicht in Scharen. Die Zürcher Opernschwelle bleibt für viele zu hoch. Volksvorstellungen hin und Opernhaustag (Halbpreis!) her.

Es zeigt sich, was zu erwarten war: Eine teure Oper ist eine elitäre Oper. Noch sind viele Neuerungen bloss symbolisch, zwei Drittel der Inszenierungen der Saison stammen aus der Ära Pereira. Der alte Operngeist lebt munter. Wer in Zürich dennoch zehn Mal Janáceks «Jenufa» ansetzt, handelt erwartungsfroh naiv. Die grandiosen Vorstellungen waren nie voll, die Wiederaufnahmen polieren Homokis Bilanz auf. Etwa Donizettis «Roberto Devereux». Um für Koloratur-Königin Gruberova den roten Teppich auszulegen, griff man gar auf eine Inszenierung von 1997 zurück. Nicht nur diese Aufführung zeigte, dass es in Zürich weiterhin Star-Theater mit Spitzengagen geben wird, was bei fast 80 Subventionsmillionen auch erwartet werden darf. Trotz der Stars von gestern ist Homokis neue Idee von der «Oper für alle» auf der Bühne zu erkennen. Wer aber eine Opernrevolution fürchtete – oder erhoffte! –, lag falsch. Interessanterweise gelang die Ablösung vom vermeintlichen Halbgott Heinz Spoerli am besten. «Romeo und Julia», choreografiert vom Ballettchef Christian Spuck, ist immer ausverkauft.

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