Die offene Wunde Gaza

Die Nachricht: Der Konflikt zwischen Israel und Palästina eskaliert erneut. Die israelische Luftwaffe zerstörte gestern den Regierungssitz in Gaza.

Der Kommentar: Wenn keine Raketen von Gaza nach Israel fliegen, ist die Welt in Ordnung. Dann fragt sich niemand, was in dem kleinen Küstenstreifen, wo über 1,5 Millionen Menschen auf engstem Raum zusammengepfercht leben, wirklich los ist.

Tatsächlich ist nichts in Ordnung. Den Einwohnern von Gaza wird nicht mehr zugestanden als das nackte Überleben. Israels Armee hat sogar ausgerechnet, wie viele Kalorien es dazu braucht, und mit der Kontrolle des Warenflusses wird dafür gesorgt, dass die Wirtschaft immer am Rande des Kollapses verharrt. Seit fünf Jahren abgeriegelt und ohne Bewegungsfreiheit, haben vor allem junge Menschen nicht die geringsten Zukunftsperspektiven. Einen besseren Nährboden für Extremismus gibt es nicht. Mit dieser Strategie sollte die Hamas geschwächt werden, tatsächlich hat sie vor allem jene Kräfte gestärkt, die noch radikaler sind.

Ändert sich an diesen Umständen nichts, wird die Gewalt immer wieder aufflammen. Gaza ist trotz der geografischen und politischen Trennung vom Westjordanland immer noch ein Bestandteil des seit Jahrzehnten ungelösten Nahost-Konfliktes. Dieser hat sich in den Obama-Jahren kein Jota bewegt; ausser dass noch mehr israelische Siedlungen auf den besetzten Gebieten gebaut wurden.

Mit dem Arabischen Frühling beginnen sich die erstarrten Fronten zu bewegen. Es treten neue Akteure auf den Plan, die wie der ägyptische Präsident mit einem Mandat durch ihr Volk gestärkt auftreten können. Aber nur wenn auch der Westen bereit ist, die Ursachen der Gewalt in Gaza anzugehen, besteht eine Chance, den Teufelskreis zu durchbrechen. Auch die Palästinenser haben wie ihre Nachbarn ein Recht auf Freiheit und Selbstbestimmung.

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