Die Nachricht: Die Feiern für die neue Bundespräsidentin Widmer-Schlumpf und den neuen Bundesrat Berset zeigten die Verhältnisse in der Regierung auf.

Der Kommentar: Es waren Doris Leuthard, Eveline Widmer-Schlumpf, Simonetta Sommaruga und die als Bundespräsidentin ungewöhnlich diskret agierende Micheline Calmy-Rey, die zuletzt den Ton angaben. Die vier Frauen bildeten die eigentliche Machtzentrale des Bundesrats.

Spätestens seit Chur weiss man aber, dass es unter den Frauen noch eine besondere Achse gab: jene von Widmer-Schlumpf mit Calmy-Rey. An der Feier zu Ehren der Bündnerin lobten sich die beiden Frauen gegenseitig und verurteilten «Häme und Spott» (Widmer-Schlumpf) und «Dauerangriffe» (Calmy-Rey). Es gab keinen Zweifel daran, dass die beiden Bundespräsidentinnen die SVP ansprachen, obwohl sie die Partei nie erwähnten.

Das sei für sie «ein persönlicher Freudentag», gab die Genferin in ihrer Rede gar zu Protokoll. Im Buch «Die Unbeirrbare» von Esther Girsberger geht Widmer-Schlumpf noch weiter: «In äusserst schwierigen Situationen, die wir beide schon durchgemacht haben, können wir uns aufeinander verlassen.» Zweifellos waren es die Attacken der SVP, die die beiden ungleichen Frauen zu engen Banden führte. Widmer-Schlumpf wie Calmy-Rey mussten sie erdulden.

Der Abgang Calmy-Reys wird im Bundesrat zu einer neuen Achse führen. Wahrscheinlich ist, dass diese über die Aussenpolitik laufen wird: mit Aussenminister Burkhalter, Finanzministerin Widmer-Schlumpf und Justizministerin Sommaruga. In diesen Departementen stehen die grossen internationalen Herausforderungen an wie Steuerfragen, Finanzkrise, EU, Asylprobleme und Schengen. Gemäss zuverlässigen Quellen wollte Widmer-Schlumpf, dass Burkhalter das EDA übernimmt. Die neue Bundespräsidentin setzte gleich einen Pflock.

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