Der Kommentar: Es war eine simple Rechnung, die Aufsehen erregte. Für die Bundesratswahlen von 2015 seien die Mehrheiten sehr knapp, schrieb die «Schweiz am Sonntag» vor drei Wochen. Zurzeit vereinige Mitte-Links im Parlament 128 Stimmen (CVP/EVP 44, SP 57, Grüne 17, BDP 10), Mitte-Rechts aber nur 118 Stimmen (SVP 62, FDP 41, GLP 14 und MCG 1). Was Fragen und Kritik provozierte: Gibt es Anzeichen, dass die GLP Eveline Widmer-Schlumpf nicht mehr wählt, wollte ein CVP-Politiker wissen. Ein BDP-Politiker enervierte sich, dass seine Partei Mitte-Links verortet war.

Knapp zwei Jahre vor den Wahlen 2015 hat eine erstaunliche Nervosität eingesetzt. Vor allem bei den Mitte-Parteien. Und das nicht ohne Grund. Wenn jemand einen Sitz an die SVP abtreten muss, ist es die erweiterte Mitte, bestehend aus FDP, BDP und CVP. Vor allem der Support für Eveline Widmer-Schlumpf bröckelt.

Es sind die Grünliberalen, die unüberhörbare Signale aussenden. Wählten sie 2011 noch geschlossen Widmer-Schlumpf, um den Atomausstieg zu sichern, können sie sich unter gewissen Voraussetzungen vorstellen, davon abzurücken: Wenn sich die beiden FDP-Bundesräte aktiv zur Energiewende und zur ökologischen Steuerreform bekennen.

Und die BDP will für 2015 nicht mehr einfach der «Widmer-Schlumpf-Wahlverein» sein. «Wir werden erst eine Woche vor den Bundesratswahlen wissen, ob sie antritt oder nicht», glaubt ein BDP-Vertreter. Die Partei müsse sich weitsichtiger positionieren. Ziel: die Mitte als Kraft Nummer zwei des Landes.

Diese Umpositionierungen zeigen, wie labil die Mehrheiten für 2015 sind. Im Parlament. Wie in der Regierung. Vor allem dort könnten sie, aus heutiger Sicht überraschend, nach Mitte-Rechts kippen.

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