Arithmetisch ist die Rechnung der Mitte schnell gemacht: Die drei Partner brächten es auf nationaler Ebene auf satte 23,1 Prozent Wähleranteil. Damit ist die Mitte ein Schwergewicht in der Parteienlandschaft. Nach der SVP ist sie die mit Abstand zweitstärkste politische Kraft in der Schweiz. Doch mit der Arithmetik ist das so eine Sache. Realpolitisch bedeutet 1 + 1 + 1 oft nicht 3, sondern vielleicht nur zwei.

Dennoch kann eine Konzentration der Mittekräfte auch eine Chance sein. Gerade bei den zu Politikmuffeln neigenden Schweizern. Eine Mitte-Holding könnte neue Wähler mobilisieren. Deshalb wird der Antritt der Mitte in Solothurn zu einem höchst spannenden politischen Testlauf. Bereits jetzt zeigt die bisher verstärkte Zusammenarbeit zwischen CVP und BDP erste Erfolge. Dass die Kooperation der Mitteparteien ernst zu nehmen ist, zeigt sich auch daran, dass das rechte Lager zusehends an politischer Durchschlagskraft verliert. Dass die Präsidenten von SVP und FDP nicht mehr miteinander reden, ist eine schwerwiegende Belastung.

Doch darauf sollte sich gerade die CVP nicht allzu viel einbilden. Dass sich die christliche Traditionspartei ausgerechnet in ihrem 100. Jubiläumsjahr zu diesem drastischen Schritt genötigt sieht, ist ein Armutszeugnis. Und allein mit der verheerenden Performance der letzten Jahre zu erklären. Seit dem Antritt von Parteipräsident Christophe Darbellay verlor die Partei in kantonalen Wahlen 96 Sitze, so viel wie keine andere Partei in der Schweiz. Damit die Mitte nachhaltig an Schlagkraft gewinnen kann, braucht es auch eine Erneuerung der CVP.

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