Der Kommentar: Die Initianten und Organisationen des Landschaftsschutzes sehen in dem mit zahlreichen Ausnahmen gespickten Gesetz den Volkswillen missachtet – und drohen bereits mit einem Referendum. Auf der anderen Seite versuchen Vertreter der Tourismuskantone nachträglich möglichst viel interpretatorischen Gummi in den Initiativtext einzubauen, um das Bauverbot zu umgehen.

Man steht also vor einem weiteren Hickhack im Parlament. Dabei wäre jetzt sowohl von den damaligen Initianten wie auch von den damaligen Gegnern Flexibilität gefragt. Es ging doch darum: Die Zersiedelung und bauliche Verschandelung der letzten noch einigermassen erhaltenen Bergdörfer und Tourismusgebiete sollte verhindert werden.

Dies bedeutet für die Gegner, dass in stark betroffenen Gemeinden keine neuen Bauten für Zweitwohnungen entstehen dürfen. Es heisst aber auch für die Befürworter, dass bestehende Bauten nun mal da sind. Eine rigorose Baubeschränkung auf der einen Seite könnte also mit einer gewissen Offenheit beim Umgang mit bestehender Bausubstanz einhergehen. Letztere müsste einfach umgenutzt werden können in Wohnungen, die touristisch gebraucht werden, also über reine Erstwohnungen hinausgehen.

Ein solches Vorgehen würde einen grossen Renovations- und Sanierungsschub auslösen. Das Baugewerbe im Berggebiet, das sich wegen der Zweitwohnungsinitiative schon am Abgrund sieht, bekäme weiter gute Aufträge. Mit etwas Vernunft und gutem Willen liesse sich ein Weg aus dieser Zweitwohnungsmisere finden. Wenn man denn nur wollte.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper!