Wo Köppel und seine «Weltwoche» heute stehen, ist klar – auf der Seite ebendieser SVP. Und das ist auch gut so. Die «Weltwoche» hat als erste Zeitung den linken Mainstream verlassen, andere folgten. Heute reden zwar Christoph Blocher und Toni Brunner noch immer von «Gleichschaltung» und (linkem) «Einheitsbrei». Das ist aber bloss Marketing. In Tat und Wahrheit sehen wir eine Meinungsvielfalt, wie es sie letztmals vielleicht zur Zeit der Parteipresse gab. Das zeigt die Positionierung der politischen Zeitungen, die Medienprofessor Roger Blum vorgenommen hat, das zeigen auch die Antworten der Chefredaktoren in unserer Umfrage.

Ein Indiz für die Vielfalt ist zudem, dass die Medien heute von allen politischen Parteien gleichzeitig kritisiert werden. Die CVP fühlt sich ungehört, Christophe Darbellay wollte den Journalisten bereits Hörgeräte verteilen. Die FDP sieht sich benachteiligt, weil die Medien sie dauernd als «Bahnhofstrassen- und Pharmalobbypartei» hinstellten. Die SP jammert, die Journalisten würden ihr Parteiprogramm ins Lächerliche ziehen, ohne es gelesen zu haben.

Wohlgemerkt: Wir Medien müssen Kritik der Parteien ernst nehmen. Soziologe Kurt Imhof monierte vergangene Woche in unserem Interview, dass es in den Medien zunehmend um den Auftritt und nicht mehr um den Inhalt der Parteien gehe. Das lässt sich nicht einfach wegwischen.

Aber heute kann niemand mehr ernsthaft behaupten, die Presse sei generell linkslastig. Der «Blick», einst verlässlich auf Anti-SVP-Kurs, liefert der SVP nunmehr Vorlagen für Inserate («Kosovare schlitzt Schweizer auf»). Die «Neue Zürcher Zeitung» empfiehlt Christoph Blocher zur Wahl in den Ständerat.

Und alle Sonntagsmedien räumen klassischen SVP-Exponenten und -Themen viel Platz ein. Das Schweizer Fernsehen übrigens auch.

Ob es heute bei den Wahlen erneut einen Rechtsruck gibt, ist offen. Bei der Presse aber hat der Rechtsruck bereits stattgefunden.

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