Die Macht des Geldes

In den vergangen Tagen haben die ersten Unternehmen ihre Halbjahresabschlüsse präsentiert. Mehrheitlich hinterliess der starke Franken keine grossen Bremsspuren in den Bilanzen. Manchen ging es recht gut, einige litten eher unter dem erstarkten Dollar. Die Banken schlugen sich meist gut, da die Negativzinsen ihre Margen im Zinsgeschäft vergrösserten. Trotzdem wäre falsch, daraus einen positiven Trend für die Gesamtwirtschaft abzuleiten. Denn die rapportierenden Firmen bilden nur die unternehmerische Spitze des Eisbergs. Gerade die börsenkotierten, grossen Firmen sind sehr breit aufgestellt und haben ihre Standorte und damit die Kosten auf der ganzen Welt verteilt. Der starke Franken tut ihnen kaum weh. Anders sieht bei den kleineren, lokal orientierten Firmen aus, die mehrheitlich in der Schweiz fertigen. Da diese Firmen oft nicht an der Börse sind, ist es schwer abschätzbar, wie gut es ihnen geht. Oft hört man erst dann von ihnen, wenn es zu Massenentlassungen und Firmenschliessungen kommt.

Unbestritten ist, dass sich heutige Euro-Frankenkurs auf einem viel zu tiefen Niveau befindet. Verharrt er dort, muss man über keine hellseherischen Fähigkeiten verfügen, um voraussagen zu können, dass wir erst am Anfang einer Welle von Massenentlassungen und Verlagerungen ins Ausland stehen. Der starke Franken hat zur Folge, dass nur die allerfittesten Firmen überleben und die schwachen sterben. Zudem: Das unkontrollierte Überschiessen des Frankens bringt auch Firmen mit einem intakten Portfolio in Gefahr. Sie sehen sich gezwungen, gesunde Geschäftseinheiten zu verkaufen oder zu schliessen, um den Firmenkern zu retten. Dadurch wird Know-how zerstört.

Diese gravierenden Umwälzungen sind gewollte Kollateralschäden der schweizerischen Geldpolitik. Es wird immer deutlicher: Nicht nur in den USA oder im Euroraum geben die Notenbanker den Takt vor, sondern auch in der überschaubaren, direktdemokratischen Schweiz. SNB-Präsident Thomas Jordan verfügt über die Machtinstrumente, um an Bundesrat und Parlament vorbei Strukturpolitik betreiben zu können. Die Geldtechnokraten sollen ihre Unabhängigkeit behalten dürfen, doch einer Diskussion über ihr aufgeblähtes Aufgabenspektrum und die mangelnde Transparenz müssen sie sich stellen.

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