Die Leiden des jungen Euro

Gerade noch rechtzeitig hat die SNB die Reissleine gezogen und den fixen Wechselkurs zum Euro aufgehoben. Die sich entfaltende griechische Tragödie und der Kauf von Staatsanleihen in der Höhe von 1000 Milliarden durch die EZB haben den Euro auf Kurse abgewertet, die wir zuletzt 2002 sahen. Dazu kommen die stark gesunkenen Energie- und Rohstoffpreise, deren positiver Effekt auf die Wirtschaft zurzeit noch unterschätzt wird. Kombiniert mit den extrem tiefen Zinsen, ist ein wirtschaftliches Umfeld erreicht, das der Eurozone in den kommenden Jahren ein gesundes Wachstum bescheren sollte. Die Börsen nehmen das schon jetzt voraus und eilen von Rekord zu Rekord.

Es hat sich gezeigt, dass die Regeln der Eurozone in wirtschaftlichen Situationen, wie wir sie in den letzten Jahren hatten, zu wenig flexibel sind und durch demokratische Prozesse ausgehebelt werden können. Es braucht diese Regeln aber für Schuldnerländer wie Griechenland, weil zu befürchten wäre, das sie eine grössere Flexibilität zu ihrem Vorteil nutzen würden. Aber nichts ist ein besserer Lehrmeister als eine solide Krise.

Das «Erziehungsprojekt» Eurozone wird weiter gedeihen, mit oder ohne Griechenland, denn die meisten und wichtigsten Mitgliedländer erkennen, welche enorme wirtschaftliche Kraft es entfalten kann. Der Austritt Griechenlands aus der Eurozone würde nur einen vorübergehenden Imageschaden bedeuten.

In der Schweiz werden wir trotz des starken Frankens durch unsere hochwertigen Exporte und Dienstleistungen am kommenden Aufschwung teilnehmen, direkt und indirekt. Wir sollten aufhören, im Pessimismus zu schwelgen, auch wenn wir das nur zu gerne tun.

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