Ausgerechnet bei der UBS werden die Mitarbeiter am Mittwoch aber eine entscheidende Rolle spielen. 50 bis 60 Prozent der Belegschaft sind am Unternehmen beteiligt – an der Generalversammlung werden sie 7 bis 8 Prozent aller Stimmen ausmachen. Damit dürften sie die zweitgrösste Aktionärsgruppe stellen.

Die UBS-Mitarbeiter mussten in den vergangenen zwei Jahren unten durch – obwohl 99 Prozent von ihnen ihren Job seriös erfüllten wie eh und je. Spott, Häme und Hass ergossen sich über sie: Nicht selten auch über einfache Kundenberater, die nicht mehr verdienen als ein Primarlehrer. Heute ernten viele Angestellte nur noch Mitleid. Und das ist nicht besser: «Mitleid kann fast so wehtun wie Prügel», sagte Elli Planta, die Präsidentin der UBS-Arbeitnehmervertretung, diese Woche in einem Interview mit dem «Tages-Anzeiger».

Die UBS-Mitarbeiter müssen ausbaden, was ihnen ein paar wenige Männer mit einer grössenwahnsinnigen Strategie, grenzenloser Gier und – zum Teil – mit krimineller Energie in den USA eingebrockt haben. Das ist bitter.

Es geht nicht um Rache, wenn nun offenbar jeder zweite Mitarbeiter, der UBS-Aktien hält, an der Generalversammlung Marcel Ospel die Entlastung verweigern und damit den Weg für Klagen freimachen will. Es geht diesen Aktionären darum, gegen innen und aussen zu zeigen: Die «neue UBS» hat mit der UBS von Marcel Ospel nichts mehr zu tun. Und: Man muss die Vergangenheit bewältigen statt verdrängen, um Vertrauen zu gewinnen für die Zukunft.

Die Abstimmung über die Décharge dürfte sehr knapp ausgehen. Gut möglich, dass – ganz wie im sozialdemokratischen Wunschtraum – die Mitarbeiter den Ausschlag gegen Ospels Entlastung geben. Das wäre dann allerdings vor allem ein Beweis für die Selbstheilungskräfte des Kapitalismus.