Der Kommentar: Der eine oder andere Deutschschweizer, die eine oder andere Deutschschweizerin schluckte am Freitag ein paar Mal leer. Damit, dass der Waadtländer Roger Nordmann Fraktionschef der SP würde, hatte kaum jemand gerechnet. Denn die Romands hatten gar keinen «Anspruch», da mit Christian Levrat bereits ein Welscher an der Parteispitze steht. Jetzt ist die SP in Hand der Romands.

Bei der FDP hat der Tessiner Cassis den Berner Christian Wasserfallen als Fraktionschef ausgebootet. Bei der SVP kamen die Lateiner Norman Gobbi und Guy Parmelin aufs Bundesratsticket. Und sie werden von der Deutschschweizer Parteiführung auch noch hoch gelobt, wenn auch vorwiegend aus taktischen Gründen.

So oder so erleben die Lateiner derzeit einen Polit-Boom in Bern, und das ist gut so. Lateiner sind gut für den Zusammenhalt und die Multikulturalität des Landes. Die Minderheiten kommen aber sonst vielfach zu kurz, wenn es um wichtige Ämter und öffentliches Lob geht.

Die Wahlen und Nominationen zeigen einmal mehr, dass die lateinische Schweiz über hervorragendes Personal verfügt. Vielleicht, weil sich tendenziell mehr anstrengen und besser, auch integrativer sein muss, wer aus diesen Landesteilen kommt. Die Deutschschweizer können daraus durchaus etwas lernen.

Jetzt fehlt nur noch, dass das Parlament am 9. Dezember einen Lateiner als neuen Bundesrat wählt.

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