Der Kommentar: Ein europäischer Politiker nach dem anderen erklärte diese Woche, er wolle sich nicht in den italienischen Wahlkampf einmischen. Um dann genau das zu tun. Besonders deutsche Politiker verteilten generös Ratschläge. Die Botschaft war klar: Die Italiener sollten am heutigen Wahltag ja nicht Silvio Berlusconi wählen.

Präventiv forderte der deutsche Aussenminister Guido Westerwelle von der neuen Regierung Italiens einen «proeuropäischen Kurs». Der aussenpolitische Sprecher der SPD warnte: «Es geht auch um demokratische Standards.» Und Martin Schulz, Präsident des EU-Parlaments, sagte: «Berlusconi hat Italien schon mal durch unverantwortliches Regierungshandeln ins Trudeln gebracht.» Gönnerhaft fügte Schulz an: «Ich habe grosses Vertrauen in die italienischen Wähler, dass sie die für ihr Land richtige Wahl treffen werden.»

Damit es klar gesagt ist: Natürlich ist zu hoffen, dass Berlusconi aus diesen Wahlen geschwächt hervorgeht. Doch ist es wirklich die Aufgabe von Politikern in Berlin, Brüssel und Paris, darauf hinzuarbeiten? Die Rufe der Oberlehrer zementieren den Eindruck, der demokratische Prozess in den EU-Mitgliedsstaaten sei für sie nur mehr ein lästiges Hindernis. Ein Prozess, den man nach Möglichkeit umgeht, wie die Diskussion um die gescheiterte EU-Verfassung vor einigen Jahren zeigte.

Europas Entscheidungsträger vergessen dabei, dass sie weder im Dienst der Finanzmärkte stehen noch im Auftrag der Brüsseler Bürokratie. Auch wenn manche demokratische Entscheide in den Mitgliedstaaten unliebsam sind: Solange die EU diese nicht respektiert, wird ihre politische Krise anhalten.

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