Der Kommentar: Das Bild der Schweiz zeichnet jeder anders. «Es war schön, aber langweilig», konstatiert der oberste Touristiker. Es wird verhunzt, meinen konservative Kräfte und pochen auf Rückbesinnung. Wir dürfen nicht nur Klischees zeigen, fordern Marketingleute und Künstler. Diskussionen über die Schweiz, Identität und Image haben Hochkonjunktur. Der Grund: Die Schweizerinnen und Schweizer machen sich Sorgen über ihr Land – genauer über das Bild der Schweiz im Ausland. Geschürt wurden sie durch die Angst vor Image-Verlust durch die Bankenkrise, die Minarett-Abstimmung und das dumpfe Gefühl, allein dazustehen.

Sorgen macht man sich, wenn man Angst vor Verlust hat. Der Reflex darauf ist, sich auf sichere Werte zu berufen. Beispielsweise auf die Klischees von Schoggi, Käse, Bergen und Uhren – auf die Banken und die Toleranz im Moment wohl besser nicht. Doch Klischees engen ein, helfen im Tourismusmarketing wohl mehr als im Alltag. Es sei denn, man verwende sie mit Humor. Dafür plädiert zu Recht sogar Jürg Schmid.

Schwieriger wird es mit den so genannt guten alten Schweizer Werten. Populistische konservative Kräfte beschwören sie und meinen – wenn man genauer hinschaut – die Zustände der Nachkriegsjahre, als die Wirtschaft wie von selber wuchs, schnelle Autos chic waren und die Rollenverteilung noch klar war. Doch die Situation der Welt hat sich geändert, der Vorsprung, von dem die kriegsverschonte Schweiz profitierte, ist weg. Das macht die Werte-Diskussion nicht überflüssig. Der Guetzli-Patron Oscar A. Kambly sagt im «Sonntag»-Interview, dass Gotthelf-Lektüre Management-Handbücher überflüssig mache.

Da redet einer mit Selbstbewusstsein. Ebenso, wenn er bekennt: «Wir tragen die Schweizer Fahne mit Stolz in die Welt hinaus.» Schön wärs, wenn wir alle dasselbe sagen könnten. Nicht aus plattem Patriotismus, nicht nur für einen Sportanlass und schon gar nicht ohne Selbstkritik. Selbst Zweifel an uns schaden nach den Ereignissen der letzten Jahre nicht. Dazu gehört das Wissen, nicht das Ausland hat uns diese Zweifel auferlegt, die Identitätskrise ist vielmehr hausgemacht. Die Krux mit dem Schweizer Kreuz haben nicht die anderen, sondern wir selber.