Auch jetzt reden Politiker von Schock. Diesmal geht es nicht um einen Volksentscheid, sondern um den Beschluss der drei Nationalbank-Direktoren, den Mindestkurs aufzuheben. Der Franken hat sich um fast 20 Prozent aufgewertet. Die ganze Woche wurde über drohende Entlassungen und Lohnsenkungen diskutiert. Und auch der aktuelle Wirtschaftsminister, Johann Schneider-Ammann, macht zurzeit einen bedrückten Eindruck.

Doch schockartige Ereignisse haben etwas Gutes. Sie rütteln auf, lösen Debatten aus, bringen Ideen hervor, die man aus Bequemlichkeit sonst lieber verdrängt. Das sieht man im Kleinen: Plötzlich kämpfen die rivalisierenden Skigebiete Arosa GR und Saas-Fee VS gemeinsam dafür, dass Schweizer im Inland Ferien machen. Und das sieht man im Grossen: Gestern bot SVP-Präsident Toni Brunner den zwei anderen bürgerlichen Parteien FDP und CVP an, gemeinsam für die Entlastung der Unternehmen und für Deregulierungen zu kämpfen. Mit diesem Ziel kann man einverstanden sein oder nicht, aber es zeigt: Der Franken-Schock bringt Bewegung in unsere sonst so träge Politik.

Bereits macht ein Wort die Runde, das 1992 Eingang in das helvetische Vokabular fand: «Revitalisierungsprogramm». Damit reagierten Bundesrat und Parlament damals auf das EWR-Nein und auf die Rezession, die schon vorher begonnen hatte. Das Kartellgesetz wurde verschärft, der Binnenmarkt geöffnet, Monopole wie die in der Telekommunikation aufgebrochen. Ökonomen sind sich einig, dass dadurch die Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz gestärkt und, zusammen mit den bilateralen Verträgen ab dem Jahr 2000, die Basis für den Aufschwung und das Job-Wunder gelegt wurden.

Heute befindet sich die Wirtschaft in weit besserer Verfassung als 1992: Die Arbeitslosenquote ist halb so hoch, der Konjunkturmotor brummt, der Staatshaushalt ist gesund. Das alles ist jetzt wegen der Frankenstärke infrage gestellt, darum ist es richtig, Ideen zu prüfen, welche die Produktionskosten in der Schweiz senken. Lohnkürzungen können nicht die Lösung sein. Bei Steuern und Abgaben anzusetzen, ist richtig – selbst wenn der Staat vorübergehend Defizite macht. Denn verschulden kann er sich angesichts der Tiefzinsen fast gratis.

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