Der Wirtschaftsverband swisscleantech sieht sich als Stimme der Grünen Wirtschaft in der Schweiz. Für uns stand der Weg der Neuausrichtung bereits vor Rio fest. Wir setzen auf die Vollkostenrechnung, also auf das Internalisieren bisher extern gehaltener (nicht richtig einberechneter) Kostenfaktoren wie CO2, NOX oder nukleare Risiken. Und wir setzen auf den Markt. Dieser spielt nachhaltig, wenn die Rahmenbedingungen des Marktes (d. h. die herrschenden Gesetze und Regulationen) die Vollkostenrechnung einbeziehen. Somit werden systematisch die sauberen und nicht die weniger sauberen Produkte und Dienstleistungen belohnt. Richtig implementiert, braucht es in dieser nachhaltigen Marktwirtschaft auch keine Subventionen. Die Spielregeln des Marktes führen zu nachhaltigen Lösungen. Nur so kommt die Grüne Wirtschaft aus der Nische in den Mainstream – und nur wenn der Mainstream nachhaltig ist, schaffen wir es, die bevorstehenden Herausforderungen in der dazu verbleibenden Zeit auch zu meistern. Diesen Herausforderungen müssen wir uns stellen, in unserem eigenen Interesse und im Interesse zukünftiger Generationen.

Für die Wirtschaft heisst das: Das Thema Umwelt muss auch ein Anliegen der breiten Mitte sein und braucht Allianzen von links bis rechts. Die Rahmenbedingungen für die Grüne Wirtschaft müssen
von der Wirtschaft aktiv mitbestimmt werden. Ein regulativer Rahmen ist nicht mehr per se zu bekämpfen, wie das neoliberale Denken vorgibt. Die Wirtschaft soll vielmehr dafür sorgen, dass der Rahmen schlank und effizient ist. Es braucht nicht mehr, sondern weniger Regeln. Aber die richtigen Regeln braucht es zwingend. Freiwilligkeit ist gut, doch der adäquate Rahmen ist besser – nicht zuletzt wegen der somit geschaffenen Planungssicherheit.

Vergangenen Freitagabend, um 20.08 Uhr ist das Rio+20-Dokument mit dem Titel «The Future We Want» (Die Zukunft, die wir wollen) von 193 Staaten verabschiedet worden. Kurz davor war die Schweiz eines der letzten Länder, die sich im Plenum dazu äussern konnten. Als eines der einzigen Länder fiel unser Kommentar nüchtern aus. Wir haben sowohl die Rio-Errungenschaften sowie die Rio-Enttäuschungen erwähnt. Rio hat eine wichtige Plattform geboten, um auf internationaler Ebene den Wandel in Richtung Grüne Wirtschaft zu diskutieren und um gemeinsam festzulegen, auf welche Zukunft wir global hinsteuern wollen. Konkrete Resultate konnten in Rio nicht erzielt werden. Die generellen Rio-Beschlüsse müssen zum Anlass genommen werden, die Grüne Wirtschaft im Anschluss an die Konferenz international, national und lokal spezifisch umzusetzen.

Ein konkretes Beispiel dafür ist die Schweizer Energiestrategie 2050. Die notwendige Neuorientierung der Energiewirtschaft stellt für unser Land eine fordernde Aufgabe dar. Sie bietet aber auch die Chance, unsere Energiepolitik auf Effizienz, erneuerbare und intelligente Netze zukunftsfähig auszurichten, und davon gleichzeitig auch wirtschaftlich zu profitieren.

Wir müssen uns dabei die Frage stellen, welche Energieversorgung zu einer sauberen und sicheren Schweiz passt. Wir sollten lernen, nebst dem Energiepreis auch die Qualität der Energie in Betracht zu ziehen. Qualitativ hochstehende Energie ist wirtschaftlich unter Vollkostenrechnung. Sie ist frei von Emissionen und risikoarm (hinsichtlich geo-politischer Abhängigkeiten und lokaler Gefahren). Sie setzt auf Technologien, die attraktive internationale Märkte darstellen und unserer Wirtschaft Chancen bieten. In der Cleantech-Energiestrategie zeigt swisscleantech auf, wie die Energiewende in der Schweiz sowohl technisch umsetzbar als auch wirtschaftlich attraktiv sein kann. Und es zeigt sich: Die richtigen Rahmenbedingungen sind die Voraussetzung.

Ein Spaziergang wird die Wende nicht – weder diejenige hin zur Grünen Wirtschaft global, noch die Energiewende in der Schweiz. Der saubere, grüne Weg in die Zukunft ist aber unabdingbar. Rio hat uns über die vergangenen Tage die generelle Richtung aufgezeigt. Ab September gilt es nun in der Schweiz, die Wende umzusetzen. The Future We Want ist auch hier das Ziel.

Die Nachricht: Am UNO-Gipfel zur nachhaltigen Entwicklung in Rio de Janeiro wurde erstmals auch die «Grüne Wirtschaft» thematisiert. Wie die Abschlusserklärung zeigt, muss sie sich ihren Platz erst noch erkämpfen.

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