Der Kommentar: Alex Frei wird mit seinen 42 Toren wohl noch Jahrzehnte Rekordtorschütze des Schweizer Nationalteams bleiben. Gestern, beim 2:2 im sagenumwobenen Wembley-Stadion, wurde er aber nicht vermisst. Das positive Lebenszeichen der Schweiz mit einer be-frei-ten Mannschaft zu erklären, wäre indes respektlos dem Basler gegenüber und zu kurz gegriffen. Selbst wenn Valon Behrami im Vorfeld angedeutet hat, dass sich einzelne Spieler unter Captain Frei nicht entfalten konnten. Der Haken an der Geschichte: Warum leidet beim FC Basel offensichtlich keiner unter der Dominanz von Frei? Falls Frei in der Nati aber tatsächlich leistungshemmend für einzelne Spieler gewesen ist, hätte es im Kompetenzbereich von Trainer Ottmar Hitzfeld gelegen, diesen Missstand zu beheben.

Frei war gestern. Zumindest in der Nationalmannschaft. Die Gegenwart heisst nicht Müller, nicht Meier, sondern Xhaka, Inler, Barnetta, Dzemaili, Derdiyok, Senderos, Djourou, Benaglio, Mehmedi, Emeghara, Shaqiri und Behrami. Spieler mit Migrationshintergrund im Schweizer Nationalteam sind keine Erfindung Hitzfelds. Es gab schon früher einen Ciriaco Sforza, einen Kubilay Türkiylmaz und die Yakins. Aber noch nie zuvor wurden die zentralen Positionen im Nationalteam ausschliesslich von Spielern besetzt, deren Wurzeln ganz oder teilweise ins Ausland reichen. Bei den Gründen für diese Entwicklung stösst man zwangsläufig auf viel zitierte Allgemeinplätze: Kinder mit Migrationshintergrund haben mehr Biss; Kinder mit Migrationshintergrund sehen den Fussball als Chance für den sozialen Aufstieg. Vieles mögen Vorurteile sein, irgendetwas Wahres muss da aber dran sein.

Vielleicht haben Spieler mit Migrationshintergrund nicht diesen Schweiz-Komplex und machen sich kleiner, als sie sind. Aber noch hilfreicher, um wie der erst 18-jährige Granit Xhaka im Wembley zu bestehen, ist die Erfahrung, bereits etwas Grosses erreicht zu haben. Xhaka wurde vor eineinhalb Jahren U17-Weltmeister. Andere wie Reto Ziegler oder Philippe Senderos sind 2002 U17-Europameister geworden. Endlich ist der Weg für Spieler der goldenen Generation frei, um in der Nationalmannschaft den Ton anzugeben. Das gibt Zuversicht.

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