Es gibt keinen Medienschaffenden, der sich nicht immer wieder mit dieser Kritik konfrontiert sieht. Dann ist er häufig zerknirscht, weil er nicht weiss, was er darauf antworten soll. Dabei müsste seine Antwort eigentlich eine ganz einfache sein: Die Vorwürfe sind gleich mehrfach falsch. Schon vordergründig: Wer alle die schönen Reiseberichte, die positiven Wirtschaftsberichte, die lustigen Sportlergeschichten und die frommen Kulturberichte mitzählt, muss seine Behauptung revidieren. Da wird medial gejubelt, dass es für die Bejubelten eine Freude ist.

Die Vorwürfe sind aber auch im Kern falsch: Denn was Medien leitet, ist nicht ihr Interesse am Negativen, sondern ihr Interesse am Unterschied und an der Veränderung. Journalisten beschreiben die Differenz zwischen dem, was ist, und dem, was war oder was erst kommen soll. Sie beschreiben die Diskrepanz zwischen der einen und der anderen Behauptung. Und sie untersuchen den Unterschied zwischen Schein und Wirklichkeit.

Diese Methode mag den Eindruck erwecken, Knatsch und Skandal wären der Journalisten liebstes Thema. Dabei ist die frohe Botschaft: Wer sich auf ihre Neugierde einlässt, der ist nahe am Puls dessen, was die Welt bewegt. Was will man mehr?

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