So auch bei der Förderung von Frauen in der Berufswelt. Zwar bringen wir es fertig, immer mehr Frauen durch ein Hochschulstudium zu schleusen und hoch qualifiziert in den Berufsalltag zu entlassen. Doch spätestens nach der Geburt des ersten Kindes ist es meist fertig mit der Karriere. Mit Millionen von Steuergeldern finanziertes Wissen versickert so in den Vorgärten schmucker Vorstadtsiedlungen.

Ärgerlich ist das Versagen der Wirtschaft. Unternehmen geben sich zwar alle Mühe, sich möglichst frauenfreundlich herauszuputzen und erklären «Diversity», «Gender» und anderen Geschlechterfragen zu ihren Prioritäten. Doch die Realität sieht rabenschwarz aus: In der 13-köpfigen Geschäftsleitung des weltweit grössten Nahrungsmittelkonzerns Nestlé sitzt gerade mal eine Frau. Man müsste meinen, dass Ernährungsfragen eigentlich zu den klassischen Kernkompetenzen einer Frau gehören. Bitter ist: Selbst mit einem Frauenanteil von weniger als 8 Prozent in der Konzernleitung zählt Nestlé nicht mal zu den schlechtesten Firmen.

Das zeigt: Grosse börsenkotierte Firmen bringen es trotz aller Beteuerungen nicht fertig, eine echte Balance zwischen Frauen und Männern über alle Hierarchiestufen hinweg aufzubauen. In der Frage der Geschlechtergerechtigkeit scheinen gewinnstrebende Firmen also schlicht unfähig zu sein. Und weil dem so ist, ist die Einführung einer Frauenquote nicht nur beim Staat, sondern auch in der Privatwirtschaft wohl unumgänglich.

Denn die Schweiz kann sich einen verschwenderischen Umgang mit der «Ressource Frau» schon bald nicht mehr leisten. Die Verschärfung der Rentenproblematik in den kommenden Jahrzehnten zwingt unsere Volkswirtschaft dazu, nicht nur die Arbeitswilligen, sondern alle Menschen, die zur Arbeit fähig sind, in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Dazu gehören selbstverständlich auch die Frauen.

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