Der Kommentar: Der Entscheid des Bundesrates Quoten für Frauen im Verwaltungsrat von bundesnahen Betrieben einzuführen, ist falsch. Die Quote ist nicht zielführend und bringt weder die Sache der Frauen voran, noch hilft sie den Unternehmen. Es ist bestenfalls ein Symbol, dass Frauen Hilfe brauchen – was nicht stimmt.

Die Diskussion über Quoten ist ein langwieriges und zähes Thema. Mit seinem Entscheid hat der Bundesrat nun klare Zeichen gesetzt: Er verlangt, dass bundesnahe Betriebe bis 2020 30 Prozent der Verwaltungsräte mit Frauen besetzen.

Es fragt sich, wer hinter diesem Entscheid steht und wie er zustande kam. Es liegt die Vermutung nahe – natürlich weiss es niemand genau –, dass es ein «Frauenentscheid» ist, der ohne Protest der Männer erfolgte und so eine klare Mehrheit im Bundesrat gefunden wurde.

Mit seinem Entscheid, nun Quoten für die bundesnahen Betriebe einzuführen, zeigt der Bundesrat nur eines: Er handelt nicht, er reguliert. Das ist nun sogar kontraproduktiv. 2020 wird das Thema der Gleichberechtigung von Frauen noch weniger akut sein als heute. Notabene: Bundesrat Schneider-Ammann weist in seinem Departement schon heute die höchste Quote an Frauen auf, Bundesrätin Sommaruga die tiefste. Vielleicht liegt dies ja auch weniger am Willen als vielmehr an der Verfügbarkeit von Frauen in jenem Bereich?

Der einzige Grund für eine Quote wäre, dass es sich für die Firmen lohnt, solche zu haben, weil zum Beispiel die Leistungsfähigkeit der Teams steigt. In Ländern wie Norwegen zeigt sich das, was wir auch im kleinen Basel erleben dürfen, nämlich, dass es keinen direkten Zusammenhang zwischen Erfolg und Quote gibt. Was zutrifft: Unternehmen mit Frauen in Führungspositionen und bei den Mitarbeitenden scheinen eine bessere Leistung zu bringen als reine Männerbetriebe – aber auch dies ist umstritten. Trotz hoher Frauenquote wie in Norwegen mit einem strengen Quotengesetz: Die Leistung der Unternehmen ist nicht besser oder schlechter als in Ländern mit tiefer Frauenquote oder mit gar keiner Quote.

Ist es eine Überraschung, dass sich keine klaren Aussagen machen lassen? Ist dies sogar schlimm? Nein, natürlich nicht! Es ist wie vermutet wahrscheinlich alles viel einfacher: Frauen sind gute Mitarbeitende, gute Manager, gute Verwaltungsräte – aber eben nicht die besseren Menschen als die Männer.

Es kommt so, wie es eben kommen muss: Gibt es mehr Frauen, die sich für die Karriere entscheiden, dann gibt es auch mehr von ihnen in Führungspositionen. Man sollte hier einfach der Entwicklung ihren Lauf lassen.

Damit ist heute die Diskussion über Quoten eigentlich veraltet. Für meine Generation und die nachfolgenden Generationen ist die Frage des Geschlechts im Hintergrund. Im Vordergrund steht die Leistung, das individuelle Engagement. Die Zeiten von Frau gegen Mann sind vorbei, zum Glück. Dafür bin ich den Frauen der älteren Generationen dankbar – auch viele Männer aus meinem Umfeld stimmen hier zu. Das Thema ist erledigt – Diskriminierung in Führungspositionen gehört der Vergangenheit an und sollte nicht durch Quoten zum Thema gemacht und so verewigt werden.

Im Jahr 2020 wird die Situation noch deutlicher sein – und zwar trotz der falschen und rückwärtsgerichteten Quote. Frauen und Männer werden sich noch offener in der Berufswelt begegnen. Quoten werden damit letztlich zum Armutszeichen in einer Gesellschaft. Sie belegen, dass eine Gesellschaft die Gleichberechtigung nicht geschafft hat. Jede Frau in einer Führungsposition muss sich fragen: Bin ich eine Quotenfrau? Wurde ich nur deshalb genommen, weil eine Quote erfüllt werden musste? Hätte ein Mann an meiner Stelle die Aufgabe besser wahrgenommen? Alleine schon diese Ausgangslage ist unwürdig – der Entscheid ist falsch und er orientiert sich an der Vergangenheit.

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